„Gefahren“ einer Afrika-Reise – Teil 1

„Afrika? Ich hoffe, ihr wisst, was ihr da tut.“

Als wir uns im Herbst für fast 3 Monate von unseren Freunden und Bekannten nach Afrika verabschiedeten, müssen einige von ihnen mit sorgenvoller Stimme ihrem Partner oder ihrer Partnerin gesagt haben: „Du Schatz. Ich glaub, die sehen wir nie wieder.“ Zumindest ließen die Kommentare, die sie uns mit auf den Weg gaben, darauf schließen. So sagten sie Sachen wie „Passt bloß gut auf euch auf!“ oder „Kommt bitte gesund wieder zurück!“ Andere wiederum unternahmen einen letzten verzweifelten Versuch und appellierten an unsere Vernunft: „Habt ihr euch das wirklich gut überlegt? Ich meine Afrika, und dann gleich zehneinhalb Wochen. Muss das denn sein?“ Aber wie man das ja auch von störrischen pubertierenden Jugendlichen kennt, die durch die Einwände ihrer Eltern nur noch mehr in ihrem Wahn angespornt werden, sagten wir stets mit aufgesetzter Gelassenheit: „Macht euch mal keine Sorgen. Das wird schon.“ Jetzt sind wir seit mehr als drei Wochen wieder zurück und möchten euch erzählen, wie es sich denn für uns angefühlt hat mit der Kriminalität, Verkehrssicherheit und den Krankheiten und Gesundheitsgefahren in Namibia und Botswana.

Wenn man den Statistiken trauen mag, gehören Namibia und Botswana zu den sichersten Reiseländern in Afrika. Kein Vergleich zu Südafrika, wo es ja insbesondere in den größeren Städten immer wieder zu bewaffneten Überfällen kommt. So hatte zum Beispiel damals unser Reiseleiter, als wir vor einigen Jahren in Johannesburg waren, große Sorge, dass wir uns zu weit von der Reisegruppe entfernen könnten, aus Angst, uns könnte was passieren. Das liegt übrigens nicht daran, dass die Südafrikaner per se schlechtere oder kriminellere Menschen sind, sondern hat eigentlich ganz naheliegende Gründe, wie uns diesmal unser botswanischer Guide Paul erklärte: „Die Waffengesetze in Südafrika sind viel lockerer als bei uns in Botswana. Da kommt man leichter an Schusswaffen dran.“ Leuchtet ein. Und was noch hinzukommt: Südafrika ist einfach viel dichter besiedelt als Namibia und Botswana. Zum Vergleich: Südafrika hat knapp 60 Millionen Einwohner. Namibia und Botswana zusammen (!) nur etwas mehr als 5 Millionen.

Wo sind hier die Menschen?

Das konnten wir auf unserer Reise selber sehen: Wir sind manchmal hunderte Kilometer gefahren, ohne einer Menschenseele zu begegnen, insbesondere in Namibia. Und so einfach es klingt: Wo keine Menschen, da keine Überfälle. Aber auch da, wo wir in den Städten sozusagen unter die Leute gegangen sind, sind wir sowohl in Namibia als auch in Botswana fast ausschließlich freundlichen Menschen begegnet. Natürlich fällt man als Tourist auf. Man wird angeschaut. Manche haben uns angesprochen. Die meisten aber schienen sich nicht wirklich für uns zu interessieren, so dass wir uns meistens recht entspannt und frei in den Orten bewegen konnten.

Parkeinweiser und bettelnde Kinder

Etwas „unschön“ wurde es dann allerdings im Norden Namibias. In Opuwo, der Hauptstadt der Region Kunene im Nordwesten Namibias, konnten wir keinen Parkplatz ansteuern, ohne dass jemand sich als ungebetener Parkeinweiser anbot, um dafür ein Trinkgeld zu verlangen. (Wir sind übrigens auf die „Angebote“ meistens eingegangen, um die Menschen nicht vor den Kopf zu stoßen.) Wirklich nervig wurde es dann, als wir weiter gen Norden durchs Himbaland fuhren. Kaum ein Dorf, ja kaum ein Baum oder Busch am Straßenrand, aus dem nicht plötzlich ein oder mehrere Himba-Kinder hervorsprangen und nach Mitbringseln oder Geld bettelten. Zum Teil so aufdringlich, dass wir abrupt bremsen mussten, um niemanden zu gefährden. Wir sind ganz ehrlich: Wir haben den Kindern aus Überzeugung nie etwas gegeben, auch wenn es uns oft sehr leid tat.

Gut gemeint, aber schlecht gemacht

Denn schuld an dem Verhalten dieser Kinder sind unserer Meinung nach vor allem wir Touristen. Wir sind einigen Europäern begegnet, die es sich fast zum Sport gemacht haben, unzählige kleine Geschenke wie Kugelschreiber, Süßigkeiten und dergleichen von zuhause mitzubringen und sie neben etwas Geld unter den Kindern zu verteilen. Das setzt völlig falsche Anreize. Denn die Kinder werden von ihren Eltern zum Teil gezielt auf die vorbeifahrenden Touristen „angesetzt“, anstatt zur Schule zu gehen. Die gab es zu unserer Verwunderung nämlich selbst in den entlegensten Gegenden Namibias immer in erreichbarer Nähe. So laufen die Kinder Gefahr, Analphabeten zu bleiben und niemals aus dem Teufelskreis der Armut herauszukommen.

Im touristischen Museumsdorf der Ju/’Hoansi

Das Living (also zu Deutsch: Lebende) Museum der Ju/’Hoansi gehört mittlerweile zu einer ganzen Reihe von musealen Dörfern in Namibia, in denen die Kultur der vielen indigenen Völker des Landes für die Nachwelt erhalten und interessierten Touristen präsentiert werden soll. Und da diese Museen als eine der kulturellen Höhepunkte Namibias angepriesen werden, wollten wir es uns nicht nehmen lassen, zumindest eines davon zu besuchen. Wir entschieden uns für das Dorf der Ju/’Hoansi, einer Volksgruppe der San, früher auch „Buschmänner“ genannt. Das Dorf liegt ziemlich abgelegen im Norden Namibias und ist nur über eine lange holprige Piste erreichbar. Bei unserer Ankunft im Dorf wurden wir gleich von einem Englisch sprechenden San-Mann in Empfang (oder genauer gesagt: in Beschlag) genommen, der uns während unseres gesamten Aufenthaltes nicht mehr aus den Augen lassen sollte. Da wir das Projekt unterstützen wollten, buchten wir neben einer Nacht auf dem Zeltplatz gleich drei der touristischen Angebote: eine Führung durchs Dorf, eine Buschwanderung und einen Abend am Lagerfeuer.

Zahlemann und Söhne

Leider reichte das aber offensichtlich nicht. Die ganze Zeit hatten wir das Gefühl, dass es nur darum ging, uns so viel Geld wie möglich aus der Tasche zu ziehen. Auf der Buschwanderung wurden wir wie zufällig an spontan aufgestellten Souvenirständen vorbeigeführt und fühlten uns genötigt, etwas zu kaufen. (Was wir dann auch taten.) Auf der weiteren Wanderung erklärte uns ein Medizinmann eine Pflanze, drückte mir unaufgefordert einige Blätter in die Hand und verlangte sofort Geld dafür. Abends am Lagerfeuer forderte unser Dauer-Reisebegleiter uns auf, Geld für das Dorf zu spenden. Bedingung: Wir sollten das Geld nicht im Dorf abgeben, sondern ihm am nächsten Morgen persönlich aushändigen. In der Nacht bekam wir einen Aufpasser zur Seite gestellt, der einige Meter weiter seinen Schlafplatz aufschlug. Grund: Damit wir sicher sind, dass uns nichts passiert. Aha? Alles in allem fühlten wir uns während der ganzen Zeit bedrückt und waren froh, als wir das Living Museum, natürlich nur nach erfolgter Spende, wieder verlassen konnten. Schade eigentlich.

Botswaner sind nett (Namibier auch)

Trotz dieser (wohlgemerkt!) wenigen negativen Erfahrungen, haben wir uns in Namibia und Botswana zu keinem Zeitpunkt wirklich unsicher gefühlt. Wir sind fast ausschließlich höflichen, freundlichen, hilfsbereiten und liebenswerten Menschen begegnet, die unsere Reise zu einem besonderen Erlebnis gemacht haben. Die Art der Botswaner hat uns dabei besonders gefallen. Wir hatten viel von der etwas schroffen und abweisenden Art der Bevölkerung Botswanas gehört und gelesen. Wir aber empfanden die Menschen eher als stolz und angenehm zurückhaltend, ja manchmal sogar etwas schüchtern. Doch wenn man sie höflich ansprach, war das Eis fast immer gebrochen, und sie begegneten uns mit einem Lächeln und großer Hilfsbereitschaft.

Fahr(t) hin!

Natürlich können wir nur von unseren Erfahrungen berichten. Man kann immer zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort sein, in Namibia, Botswana wie überall sonst auch auf der Welt. Daher soll unser Bericht niemanden zu Leichtsinn verleiten, zumal wir gerade für Menschen in Afrika in unermesslichem Wohlstand leben. Wir haben versucht, uns so unauffällig wie möglich zu verhalten, um keine Begehrlichkeiten zu wecken. Klar sollte sein, dass man nicht mit teurem Schmuck (den lässt man am besten eh gleich zuhause) oder anderen Wertgegenständen „rumprahlt“ oder seinen „Reichtum“ offen zu Tage trägt. Außerdem haben wir es vermieden, in Städten nach Einbruch der Dunkelheit durch die Straßen zu laufen. Am Ende muss jeder selber wissen, wieviel Sicherheitsgefühl er braucht. Wir meinen jedenfalls: Wenn man den gesunden Menschenverstand einschaltet und auf einige Basics achtet, sind Namibia und Botswana wundervolle Länder, die immer eine Reise wert sind.

Fortsetzung folgt: Nächste Woche erzählen wir euch dann, welche „Gefahren“ noch in Namibia und Botswana lauern könnten. Also bleibt dran und bis Mittwoch, den 24.01.2024!

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