„Afrika? Ich hoffe, ihr wisst, was ihr da tut.“
Seit über 4 Wochen sind wir wieder aus Afrika zurück und machen diese Woche weiter mit Teil 2 unserer Trilogie, die von den „Gefahren“ einer Afrika-Reise handelt. In der letzten Woche haben wir mit dem Thema Kriminalität begonnen und möchten diese Woche mit der Verkehrssicherheit weitermachen, ein wichtiges Thema für Selbstfahrer in Namibia und Botswana.
Gefahrenpunkt 2: Straßenverkehr
KrautTrotter auf Pad
So richtig Sorgen hatten wir uns vor dem Urlaub wegen der Straßenverhältnisse in Namibia und Botswana nicht gemacht. Denn fahren nicht hunderte, was rede ich, tausende von Touristen mit ihren Leihwagen kreuz und quer durchs südliche Afrika? Auch in sämtlichen Reiseführern, Reiseblogs und Reisekatalogen steht geschrieben, dass nur eine Selbstfahrerreise dem Afrikareisenden das „wahre“ Gefühl von grenzenloser Freiheit gibt. Gewarnt wird in der einschlägigen Reiseliteratur allerdings vor den halsbrecherischen Fahrmanövern der Einheimischen und vor den Tücken der Selbstüberschätzung übermüdeter Touristen, die sich auf ungewohnter Schotterpiste gerne mal überschlagen.
In der Ruhe liegt die Kraft
All diese Warnungen hatten wir natürlich im Kopf, als wir uns mit unserem Ford Ranger in Windhoek auf den Weg machten. Etwas ängstlich noch stürzten wir uns in den Linksverkehr der Hauptstadt Namibias, um in einer Shoppingmall unsere Vorräte aufzustocken. Wir merkten aber schnell, dass unsere Hektik beim Rangieren des Autos in die Parklücke völlig unnötig war. Denn in Afrika ticken die Uhren verkehrstechnisch anders. Die Autofahrer sind im Gegensatz zu uns Deutschen tiefenentspannt. Keiner drängelt auf der Straße und ich habe nicht einmal während der ganzen Zeit ein Auto hupen hören. Alle warten geduldig, bis der Weg wieder frei ist, die Ampel auf Grün springt oder Touristen endlich ungeschickt mit ihren 4×4-Kisten eingeparkt haben. So wie wir.
Rasende Pickups und störrische Esel
Unterwegs auf der Landstraße wundert man sich schon zwischendurch über Pickups, die vollbeladen mit Menschen oder Waren auf der Ladefläche und deutlich überhöhter Geschwindigkeit an einem vorbeiziehen. Durch die geringe Bevölkerungsdichte hat man die Straßen vielerorts aber quasi für sich und begegnet nur alle paar Stunden mal einem anderen Fahrzeug. Allerdings muss man während der Fahrt ständig auf der Hut vor kreuzenden Tieren sein. Damit sind nicht nur die Wildtiere gemeint, die unverhofft auf die Straße laufen können, sondern insbesondere die allgegenwärtigen Herden von Rindern, Ziegen und Eseln, die direkt am Seitenstreifen grasen oder manchmal sogar mitten auf der Straße stehen bleiben.
Was uns an Namibia/Botswana nicht so gefiel
Afrikanische Massage
Wirklich geschockt waren wir vom üblen Zustand vieler Straßen und Pisten, die das Autofahren einige Male zur Qual werden ließen. Eine dieser Horrorpisten war die Hauptstraße (!) C27 nach Sossusvlei. Diese harte Wellblechpiste, dazu noch extrem steinig, hat uns nach stundenlanger ruppiger Fahrt an unsere Grenzen gebracht, sowohl fahrtechnisch als auch körperlich. An der Straße sind dann auch etliche Autos mit Reifenpannen liegen geblieben, kein Wunder! Da wussten wir aber noch nicht, dass uns der schlimmste Fahrtag des Urlaubs noch bevorstehen sollte.
Höllenritt zum Camp
Eine Woche später auf dem Weg durch ein Himba-Dorf zu unserer Campsite führte uns eine kilometerlange Anfahrt in Schlangenlinien über sehr schwierigen, felsigen Untergrund mit Schlaglöchern und klaffenden Spalten. Wir konnten nur im Schneckentempo weiterfahren und rumpelten über große, scharfkantige Steine, die uns alle paar Meter zum Anhalten zwangen. Und das direkt vor den zahlreichen Verkaufsständen der Himba, die sich hier taktisch klug positioniert hatten. Als wir entnervt endlich im Camp ankamen, galt es zu allem Überfluss auch noch ein felsiges Flussbett zu queren. Kein leichtes Unterfangen bei dem sich unser Wagen bedrohlich zur Seite neigte. Als wir meinten, es geschafft zu haben und gerade aufatmen wollten, bemerkte Burak plötzlich einen beißenden Geruch. „Das ist die Kupplung“, stellte er kreidebleich fest. Das ständige Bremsen, Gas geben und Kuppeln war scheinbar zu viel. An diesem Ort wollten wir nicht bleiben, da waren wir uns einig. Also fuhren wir die grässliche Strecke wieder zurück bis nach Sesriem, wo wir in einem kleinen Gästehaus blieben. Die Kupplung hat übrigens noch bis zum Ende des Urlaubs durchgehalten, genauso wie die Reifen, mit denen wir 8.500 km gefahren sind. Glück gehabt!
Fazit – Verkehrssicherheit in Namibia und Botswana
Traut euch!
Diese Dinge haben wir gelernt bzw. würden wir heute anders machen:
- Die Pisten waren schlechter als erwartet, daher sollte es ein 4×4-Auto mit leistungsstärkerem Motor sein, am besten mit Automatikgetriebe.
- Man muss wirklich nicht jede Piste im Urlaub abfahren, weniger ist manchmal mehr.
- Ganz einsames Camp heißt fast immer auch ganz schlechte Piste.
- Ein Offroad-Training vor dem Urlaub ist sinnvoll.
- Namibia ist wirklich ein Selbstfahrerland, aber man braucht starke Nerven. Außer man bleibt auf den Teerstraßen, aber das wäre doch langweilig, oder?
Fortsetzung folgt: Nächste Woche erzählen wir euch dann, welche „Gefahren“ noch in Namibia und Botswana lauern könnten. Also bleibt dran und bis Mittwoch, den 31.01.2024!
