Woche 1: Namibia-Botswana-Tour 2023

Windhoek – Stampriet – Keetmanshoop – Fish River Canyon – Orange River
1.012 km

Highlight / Bild der Woche

Unser Flieger nach Namibia
Mittwoch, 11.10.2023: Fly fly away

Jetzt geht dieses Kribbeln langsam los. Dieses ganz besondere Kribbeln vor einem Flug. Vielleicht aus Faszination darüber, dass man der Schwerkraft ein Schnippchen schlägt? Auf jeden Fall aber aus Vorfreude auf den Start, wenn der Flieger so richtig Schub gibt. Im Moment ist unsere größte Sorge noch, dass wir mit dem Zug pünktlich am Frankfurter Flughafen ankommen. Unsere Nachbarin bringt uns netterweise zum Bahnhof Rheine und tatsächlich läuft dann alles wie am Schnürchen. Die Sicherheitskontrolle am Flughafen ist wiederum eine Geduldsprobe. Es ist nur eine einzige Linie geöffnet. Während wir eine Stunde in der Warteschlange stehen, überlegen wir noch kurz, ob wir doch unsere FFP2-Masken tragen sollten. Wir wären damit allerdings die absoluten Exoten gewesen und haben deshalb darauf verzichtet. Wird schon gut gehen. Mit einer halben Stunde Verspätung heben wir dann um 22:25 Uhr endlich ab. Der Flieger ist ziemlich neu und die Sitze sind eng, sehr eng. Wir richten uns so gut es geht ein und genießen dann ein erstaunlich gutes Abendessen. An Schlaf ist allerdings kaum zu denken. Irgendwann in den frühen Morgenstunden nicken wir schließlich ein. Ich meine noch zu hören, dass Burak „Namibia, wir kommen“ brabbelt. Oder habe ich das nur geträumt? (Autorin: Marion)

Donnerstag, 12.10.2023: Krise 1

Bei der pünktlichen Ankunft am Hosea Kutako Flughafen in Windhoek erwartet uns schon sonniges Wetter bei sommerlichen Temperaturen. Soviel zum Positiven. Dann geht es zum Autovermieter Savanna, wo wir unseren Ford Ranger mit Dachzelt in Empfang nehmen. Aber erst nach mehr als 2 Stunden Einweisung in alle Details, angefangen vom Gebrauch des Wagenhebers (s. Foto) bis zum Zeltaufbau. Deutsche Gründlichkeit in Namibia aus gutem Grund. Der Wagen wird in den nächsten Wochen teils extremen Belastungen ausgesetzt sein. Völlig übernächtigt und mit rauchenden Köpfen stürzen wir uns in den Linksverkehr der namibischen Hauptstadt. Ab in die Shoppingmall zum Großeinkauf: Brennholz, Marmelade, Grillfleisch, SIM-Karte und und und… Nach sage und schreibe 4 (!) Stunden kommen wir am Urban Camp in Windhoek, unserer ersten Unterkunft, an. Im Wachkoma bauen wir das Zelt auf und wollen uns am Ende des Tages mit einem Braai (südafrikanisches Barbecue) belohnen. Irgendetwas müssen wir falsch gemacht haben. Zuerst ist das Fleisch halbroh, dann verkohlt. Völlig ausgehungert fallen wir in unsere Schlafsäcke. Vielleicht kann man ja wenigstens von einem schönen Urlaubstag träumen. (Autor: Burak)

Reifenwechsel oder Skeleton-WM?
Tipsy Cow Bar im Urban Camp
Freitag, 13.10.2023: Krise 2

Die erste Nacht im Dachzelt liegt hinter uns und sie war bitter kalt. Das hätten wir so nicht gedacht. Hallo? Sind wir nicht in Namibia? „Das ist ja schlimmer hier als auf Island“, schoss es mir durch den Kopf. Eine Migräne tat dies auch, und zwar die ganze Nacht. Daher kann das Motto des heutigen Morgens nur heißen: Wunden lecken. Ich fühle mich wie durch den Fleischwolf gedreht und schniefe die ganze Zeit. Mit Maske am Flughafen hätte ich mich nicht erkältet, wetten? Und den Spaziergang durch Windhoek und den Ausflug ins Township müssen wir jetzt auch sausen lassen. Stattdessen erst mal Frühstück mit viel Kaffee und dann werden alle Koffer und Taschen ausgepackt und neu sortiert. Alles muss in den nächsten 10 Wochen seinen geordneten festen Platz haben. Manche mögen es zwanghaft nennen, wir nennen es Krisenmanagment. Trotz dieses herrlich sonnigen und leicht windigen Tages hänge wie ich benebelt in meiner Hängematte. Von Urlaubsfeeling keine Spur. Am Nachmittag kommen wir endlich langsam zur Besinnung und können das gemütliche und gepflegte Camp mitten in Windhuk genießen. Den Abend dieses stressigen Tages lassen wir versöhnlich im Camp-Restaurant ausklingen – mit Wildsalat von der Oryx-Antilope und indischem Butter Chicken. Nach dieser kulinarischen Belohnung fallen wir um 21:00 Uhr todmüde ins Bett. (Autorin: Marion)

Samstag, 14.10.2023: Krise 3

Kaum von den ersten zarten Sonnenstrahlen geweckt wartet die Morgenroutine: Anziehen, frisch machen, Frühstück zubereiten, abwaschen, alles einräumen, Zelt abbauen und losfahren. Puh! Auf der Campsite kommt mir zu allem Überfluss ein Typ mit einem T-Shirt entgegen mit der Aufschrift: „AFRICA IS NOT FOR SISSIES“. „Blödmann!“, denke ich und fühle mich tief in meinem Stolz gekränkt. Jetzt erst recht! Los geht‘s auf die 1. Etappe gen Süden nach Stampriet. 50 Kilometer hinter Windhoek endet der Asphalt und beginnt die Schotterpiste. Schlagartig befinden wir uns fernab der Zivilisation. Wir fahren stundenlang durch karge Baumsavanne und begegnen kaum einem anderen Menschen oder Fahrzeug. Wir und unsere Staubfahne allein auf dieser Welt. Nach 4 Stunden stehen wir auf unserer Campsite zwischen einzelnen wuchtigen Palmen. Außer uns ist nur noch ein weiteres Pärchen hier. Wir haben Hunger, holen die Gaskocher raus und fangen an zu brutzeln. Doch plötzlich kommt hartnäckiger stürmischer Wind auf. Der Gaskocher geht andauernd aus, droht mehrfach umzukippen. Es findet sich einfach kein Windschatten – weder hinter den Palmen noch dem Auto. Frustriert brechen wir das Kochmanöver ab. Marion hat eh keinen Appetit, denn sie ist immer noch krank – Fieber, Kopfschmerzen, laufende Nase. Der Himmel indes führt noch ein doppeltes Spektakel auf, als hätte er es sich zum Ziel gesetzt, uns zu trösten. Zuerst präsentiert er uns einen atemberaubenden Sonnenuntergang (s. Foto) und dann unzählige Sterne vor einem pechschwarzen Vorhang. Zurück im Zelt fallen mir müde und zuversichtlich die Augen zu. (Autor: Burak)

Sonnenuntergang am Kalahari
Farmhouse in Stampriet
Team KrautTrotter im Camperleben angekommen?
Sonntag, 15.10.2023: Geburt eines Campers

Um 6:30 Uhr krieche ich aus meinem Schlafsack und strecke meinen Kopf aus dem Zelt. Wow, was für eine Stille um uns herum. Ich genieße kurz den Moment, dann drängt es mich auch schon nach draußen. Alle Handgriffe laufen inzwischen etwas besser und routinierter ab. Vom Randgebiet der Kalahari geht es heute weiter Richtung Süden bis in die Nähe von Keetmanshoop. Über 200 km Asphaltstraße mit zahlreichen Baustellen fordern uns heute viel Geduld ab. Der letzte Streckenabschnitt von 40 km führt wieder über Schotter und plötzlich befinden wir uns in einer anderen Welt. Eine unwirkliche felsige Landschaft mit zahlreichen seltenen und bizarr geformtem Köcherbäumen. Aus der Rinde dieser Bäume haben die Buschmänner früher die Köcher für ihre Pfeile hergestellt. Wir sind im Mesosaurus Fossil Bushcamp angemeldet und staunen nicht schlecht über die abenteuerliche Piste dorthin. Unsere erste Offroad-Erfahrung sozusagen. Als wir mitten in der Pampa im Camp ankommen, fliehen einige Zwergmangusten und Klippschliefer unter die Büsche. Wir sind die einzigen Menschenseelen weit und breit! Total verzaubert vom ersten Anblick wählen wir einen Stellplatz neben einem Kameldornbaum mit riesigem Webervogelnest. Das Ganze inmitten einer Landschaft, wie sie faszinierender nicht sein könnte. Heute passiert ein kleines namibisches Wunder: Wir grillen und es gelingt. Bauernwurst und Hähnchen schmecken wunderbar. Geschafft. Jetzt sind wir richtige Camper! (Autorin: Marion)

Montag, 16.10.2023: Wie hoch ist mein Druck?

Die aufgehende Sonne taucht die steinige Mondlandschaft und die wie lebende Fossilien aussehenden Köcherbäume in ein warmes rotes Licht. Was für ein überwältigender Anblick! Heute fahren wir weiter zum Fish River Canyon, etwa 170 km südlich von unserem jetzigen Standort. Doch vorher machen wir Halt in der nächsten „größeren“ Stadt Keetmanshoop (21.000 Einwohner), um ein neues Messgerät für den Reifenluftdruck zu kaufen. Denn unseres ist kaputt. Wenn es dumm läuft, kann uns das zum Verhängnis werden. Denn durch falschen Reifendruck kann man irgendwo im Niemandsland im Sand stecken bleiben oder auf Schotter von der Straße abkommen. Nachdem wir vergeblich in zwei Tankstellen und vier Geschäften für Autobedarf gefragt haben, geben wir auf und fahren ohne neues Messgerät weiter. Nach 130 km Schotterpiste erreichen wir unsere Unterkunft: das Canyon Roadhouse, ein kleines Gästehaus mit schönen Zimmern rund um einen Innenhof. Das Roadhouse war früher eine Werkstatthalle für Autos. Davon zeugen noch die vielen alten Oldtimerwracks, die im und um das Hotel still vor sich hinrosten. Tolle Fotomotive. Nach ein paar Schnappschüssen heißt es für uns: Erst duschen, dann frisch angezogen im Hotelrestaurant zu Abend essen und am Ende müde ins gemachte Bett fallen: Luxus pur! Das Messgerät kann warten bis Lüderitz oder Swakopmund, bevor wir in wirklich verlassene Gegenden vorstoßen. Dann aber muss es klappen. (Autor: Burak)

Autowrack am Canyon Roadhouse
Fish River Canyon
Dienstag, 17.10.2023: Canyons, Rivers und fremde Welten

Unser heutiges Ziel, der Orange River, liegt am südlichen Ende Namibias und bildet die natürliche Grenze zu Südafrika. Das erste Highlight wartet aber schon nach halbstündiger Fahrt auf uns: der Aussichtspunkt an der Abbruchkante des Fish River Canyon. Als wir am späten Vormittag ankommen sind die Touristenbusse schon weg. Fast alleine genießen wir den wunderschönen Blick in die tiefe Schlucht des zweitgrößten Canyons der Welt (s. Foto) und sind total beeindruckt. Ganz unten am Grund erspähen wir ein spärliches Rinnsal, den fast eingetrockneten Rest des Fischflusses. Da es heute extrem heiß ist, wandern wir nicht am Canyonrand, sondern fahren eine rumpelige Offroad-Piste zum nächsten Ausguck. Unsere weitere Fahrt führt uns nun zwei Stunden über einsame Schotterpisten durch die schönsten Landschaften aus Grassteppe, Sanddünen und Geröllwüste. Die Straße durchneidet diese Szenerie wie ein goldgelbes Band. Lange begleiten uns noch rechter Hand die Ausläufer des Canyons. Am Ende der Piste erblicken wir plötzlich eine Fata Morgana, zumindest meinen wir das im ersten Moment. Riesige Felder aus sattem Grün im Nirgendwo der Steppe. Dann erst verstehen wir: Wir sind im kleinen Ort Aussenkehr angekommen, dem größten Traubenanbaugebiet der südlichen Hemisphäre. Weinstöcke, wohin das Auge auch blickt. Gleich dahinter eröffnet sich uns eine Welt, die fremder kaum sein kann: Hunderte, nein tausende von einfachen Hütten aus Stroh und Wellblech, in denen die Arbeiter der Traubenproduzenten wohnen. Aussenkehr ist ein gigantisches Township. Als hätte es heute nicht schon genug davon gegeben, folgt kurz darauf noch ein Highlight: unsere Campsite am Orange River. Aber dazu nächste Woche mehr… (Autorin: Marion)

Highlight der Woche:

Einsamkeit inmitten der Felsen und Köcherbäume im Mesosaurus Fossil Bushcamp

Bild der Woche:

Köcherbaumlandschaft im Bushcamp

2 Kommentare zu „Woche 1: Namibia-Botswana-Tour 2023“

  1. Guten Abend ihr Beiden!
    Ich bin von euren Erzählungen sehr beeindruckt und werde weiterhin an euren Zeilen hängen.
    Für jemanden der gerade mit dem e-bike die schwäbische Alb erkundigt ist eure Reise wirklich Abenteuer pur!
    Alles Gute und Glück auf euren Wegen.
    Willi

  2. Hallo Willi,
    wer sagt, dass die schwäbische Alb kein Abenteuer pur sein kann? 😉
    Wir wünschen dir jedenfalls einen schönen Urlaub mit dem E-Bike.

    Viele liebe Grüße von der Corona Gästefarm (ja, die heißt wirklich so!) am Fuße des Gamsberg (der heißt auch wirklich so :-)) in Namibia,
    Marion und Burak

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