Maun – Mokorotour – Okavangodelta – Moremi Nationalpark – Chobe Nationalpark

Mittwoch, 13.12.2023: Nicht ganz jugendfrei
5:30 Uhr in unserem Chalet: Der Wecker klingelt und ich weiß, dass das quasi für den gesamten Rest der Reise unsere letzte Nacht in einer festen Unterkunft war. Ab heute wird wieder gezeltet. Nach dem Frühstück machen wir uns auf nach Maun, der Provinzhauptstadt am Fuße des Okavangodeltas. Nach zwei Stunden kommen wir dort an und verabschieden uns erst einmal von den zwei Holländern. Dann holen wir fünf neue Gäste ab: drei junge Franzosen (zwei Männer und eine Frau), eine Deutsche und eine Schweizerin. Somit besteht die Reisegruppe jetzt aus neun Personen. Von Maun aus fahren wir zuerst über eine Straße mit üblen Schlaglöchern, dann geht es über Sandpisten weiter. Plötzlich ruft einer aus unserer Gruppe: „Stop!“ Unser Guide Paul tritt voll auf die Bremse. Was ist passiert? Direkt links von uns unter dem Schatten eines Baumes hat sich ein Löwenpärchen zum Schäferstündchen niedergelassen. Als wir unsere Fotoapparate zücken, fackelt der Löwe nicht lange und besteigt unter Gebrüll seine Löwin. Der Akt dauert enttäuschend kurz, vielleicht 10 Sekunden. Paul sagt, dass man die Manneskraft eines Löwen aber nicht unterschätzen sollte. Das Löwenpaar bleibt bis zu 6 Tage zusammen und vollzieht dabei alle 15 Minuten den Liebesakt. Hochgerechnet wären das bis zu 576 Kopulationen à 10 Sekunden gleich 1 Stunde und 36 Minuten Sex. Respekt! Auf der Weiterfahrt fängt das rechte Hinterrad wieder an zu klappern, wie schon in der Kalahari. Diesmal aber stinkt es auch beißend nach verbranntem Gummi. Wir schaffen es im Schritttempo so gerade noch ins Camp. Mitten in einer tropischen Flussauenlandschaft direkt am Fuße des Okavangodeltas schlagen wir unsere Zelte auf. Am späten Abend kommt das neue Ersatzfahrzeug für unseren kaputten Safariwagen an. Um 22 Uhr geht es noch auf eine Pirschfahrt durch eine unheimliche nächtliche Märchenlandschaft mit unzähligen abgestorbenen Baumstümpfen. Voller Eindrücke und völlig erschöpft fallen wir gegen Mitternacht in unsere Schlafsäcke. (Autor: Burak)
Donnerstag, 14.12.2023: Im Einbaum durchs Delta
Bereits kurz vor 6 Uhr morgens sitze ich kerzengerade im Zelt und wühle in meinem Rucksack. Verdammt noch mal, wo habe ich nur die Taschentücher hingesteckt? Meine Aufregung vor dem heutigen Tag bricht sich Bahn, denn die nächsten 2 Tage werden wir wild im Okavangodelta campen. Dorthin gelangen wir in sogenannten Mokoros, den Einbaumkanus der Einheimischen. Mir ist tatsächlich etwas mulmig zumute, da ich den Tropensturm auf dem Chobe River noch vor Augen habe. Kentern möchte ich im krokodilverseuchten Delta wirklich nicht. Ich schiebe meine Bedenken beiseite und packe alles in den Rucksack, was wir für die nächsten Tage abseits der Zivilisation benötigen. Um 9 Uhr fahren wir los und sind nach einer halben Stunde bereits am Kaziikini Bootsanleger. Hier warten schon unsere Bootsführer, Poler genannt, die uns 2 Tage lang mit ihren Mokoros durchs Delta fahren werden. Nach einem kurzen Briefing werden wir Owner zugeteilt (ja, so heißt er wirklich) und schon geht es los. Unser Mokoro gleitet lautlos durch die Kanäle, Owner macht uns auf die Vogelwelt rechts und links aufmerksam und erklärt einiges zur Natur. „Ist ja gar nicht so wackelig wie ich dachte“, stelle ich fest und fange an, die ruhige Fahrt zu genießen. Plötzlich erscheinen 100 m vom Ufer entfernt zwei Lechwe-Antilopen und schauen in unsere Richtung. Wir freuen uns über die Sichtung dieser Raritäten, die nur in Sumpfgebieten vorkommen. Die Zeit vergeht wie im Flug und eine Stunde später sind wir an unserem Übernachtungsplatz angelangt. Hier hieven wir unser Gepäck an Land und suchen uns einen schönen Platz für unser Zelt aus. Die Umgebung ist üppig und grün, Naturgeräusche und Vogelstimmen von allen Seiten. Den Tag beschließen wir mit einer schönen Fußpirsch, bevor wir hungrig ins Camp zurückkehren. (Autorin: Marion)


Freitag, 15.12.2023: Wollen, aber nicht können
Als ich heute Morgen um 6:30 Uhr aufstehe, weiß ich es eigentlich schon: Das wird kein so einfacher Tag, denn ich habe Rücken. Schon beim Rauswühlen aus dem Schlafsack zieht es fies ins linke Kreuz. Das Aufrichten vor dem Zelt ist dann eine Mühsal. Mit gebücktem Gang und kleinschrittig gehe ich zum Frühstückszelt und denke: „So muss sich Pflegestufe 3 anfühlen.“ Das Dilemma bahnte sich schon gestern bei Aufbau des Camps an. Kaum hatte ich diese unheilvolle schwere schwarze Kiste mit all den Küchenutensilien hochgehoben, schoss es mir zuerst ins Kreuz und dann in den Kopf: „Welcome to Hexenschuss-Country!“ „Aber bloß nicht kleinkriegen lassen“ – so zumindest meine erste übermütige Eingebung. Also starten wir um 7 Uhr mit der Gruppe zu einem mehrstündigen Bushwalk. Für mich ist aber nach einer halben Stunde Schluss. Bevor ich lahmend die Gruppe weiter aufhalte, bringt uns einer der Guides zurück zum Camp. Hier hocken dann Marion und ich bei Tee und Kaffee unter dem Frühstückszelt. Nicht ohne Neid beobachte ich in der Ferne ein Nilpferd, das mit seinen 1.000 kg leichtfüßig über die Wiesen tippelt – besser als ich es heute je könnte. Gegen 11 Uhr kommt die Gruppe vom Bushwalk zurück. Nach dem Mittagessen verbringen wir den Nachmittag mal dösend im Zelt, mal mit den anderen draußen im Unterstand. Um 17 Uhr soll es losgehen mit einer Mokorotour durch die weit verzweigten Arme des Okavangodeltas. Doch das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Am Nachmittag ziehen tiefe dunkle Gewitterwolken auf und ehe man sich‘s versieht, prasselt der Regen krachend auf das Dach unseres Unterstandes. Unter diesen Umständen ist ein Ausflug auf dem Einbaum unverantwortlich. Also muss Plan B her und der heißt geselliges Kartenspielen in illustrer internationaler Runde mit Deutschen, Schweizern, Franzosen und Botswanern. In einem bunten Mischmasch aus Deutsch, Französisch, Tswana, mehr oder weniger gutem Englisch und Zeichensprache werden Regeln für das Spiel erklärt und unter viel Gelächter auch wieder gebrochen. Gelebte Völkerverständigung sozusagen. Wie schön wäre es doch, wenn es immer so einfach wäre. (Autor: Burak)
Samstag, 16.12.2023: Land unter
Die Regenzeit ist in Botswana ein Segen für Mensch und Tier. Es grünt und blüht – selbst in der Kalahari – und es gibt überall genug Trinkwasser. Ich dagegen bin vom tagelangen Dauerregen einfach nur genervt. Als Camper hat man es dann besonders schwer, da das Zeltinnere, Klamotten, ja eigentlich alles, was man anfasst, klamm ist, müffelt und klebt. Auch heute Morgen um 5 Uhr prasselt es schon auf unser Zeltdach. Mir graut vor dem Zeltabbau im strömenden Regen. Aber alles Jammern hilft nicht, da es gleich mit den Mokoros zurück zum Kaziikini Bootsanleger geht und danach weiter mit dem Safariwagen in Richtung Moremi. Zunächst haben wir noch Glück und erreichen trockenen Fußes den Anleger, danach fängt es immer heftiger an zu regnen. Es werden Wolldecken im offenen Safariwagen verteilt und alle sitzen eingemummelt da. Als wir das Gate zum Moremi Nationalpark passieren, beginnt eine 60 km lange anstrengende Strecke. Während der letzten Tage haben sich unzählige Senken und Löcher der aufgeweichten Piste mit Regenwasser gefüllt. Dadurch haben wir eine Wasserdurchfahrt nach der anderen. Am Ende der eintönigen Anfahrt öffnet sich der Blick auf eine ganz andere, faszinierende Landschaft aus Wald und Grassteppe. Abwechselnd golden und rostrot leuchten die Gräser im Nachmittagslicht. Dazwischen immer wieder kleine Tümpel und überflutete Wiesen mit dunkel herausragenden toten Bäumen. Und mittendrin liegt unser wilder Campingplatz. Hier ist nachts im Camp jederzeit mit Elefanten- oder Löwenbesuch zu rechnen und wir sind angehalten, im sicheren Zelt zu bleiben. Als ich schlafen gehe, lausche ich gespannt aber ohne Angst den immer lauter werdenden Geräuschen der Tiere. (Autorin: Marion)


Sonntag, 17.12.2023: Beste Pirschfahrt ever
Allein um diesen Tag zu erleben, hat sich die Reise schon gelohnt. Doch gehen wir erst einmal der Reihe nach vor. Als wir heute in der Frühe aufstehen, haben sich die Regenwolken verzogen und die Sonne schickt schon ihre ersten wärmenden Strahlen durch die Wolkenlücken. Um 6.30 Uhr fahren wir fast schon traditionsgemäß auf unsere morgendliche Pirschfahrt. Unser Weg führt zuerst an der größten Büffelherde vorbei, die wir je gesehen haben. Mehrere hundert, wenn nicht gar tausend dieser wuchtigen Tiere stehen verstreut in der weiten Ebene und grasen auf den saftigen überschwemmten Wiesen. Zwei Bullen kommen aus der Herde hervor und schauen uns grimmig an. Kurz darauf sehen wir eine sechsköpfige Familie der selten gewordenen afrikanischen Wildhunde, die als stark bedroht gelten. Ganz entspannt liegen sie auf einer Wiese und halten Ausschau nach einem passenden Beutetier. Gegen Mittag kommen wir hochzufrieden ins Camp zurück. Wir können ja nicht ahnen, dass der Nachmittag alles toppen wird, was wir je bei einer Safari erlebt haben. Um 16 Uhr folgt Pirschfahrt Nummer 2. Ein prächtiger Löwe umgarnt zwei Löwinnen. Eine der beiden ist hochschwanger und legt sich trotzdem paarungsbereit vor dem Löwen hin. Unser Guide Paul erklärt, dass das letztendlich nur eine Finte ist. Die Löwin wird sich mit dem Löwen nur deshalb paaren, damit der denkt, dass die bald zur Welt kommenden Babys von ihm sind. Denn sonst würde er die fremde Brut kurzerhand umbringen. Danach fahren wir über eine Feuchtwiese mit zig Krokodilen. Unsere Fotoapparate glühen mittlerweile vom Knipsen, als wir dann auf eine Löwin stoßen, die einer kleinen Büffelherde hinterherschleicht. Urplötzlich spurtet sie los, packt eines der Büffel an der Kehle und reißt es nieder. Wir fahren bis auf wenige Meter an das dramatische Geschehen heran. Der Büffel hat keine Chance. Am Anfang rudert er noch auf dem Rücken liegend mit den Beinen und keucht verzweifelt im Todeskampf. Schnell eilt aus dem Busch eine ganze Löwenmeute herbei und auf einmal zerren zehn Löwen an dem leblosen Tier, bis sie es vor unseren staunenden Augen in Stücke zerreißen. Es ist ein brutales Naturschauspiel und dauert fast eine Stunde. Viele der Löwen haben am Ende blutverschmierte Schnauzen. Selbst Paul ist beeindruckt. Er ist seit 8 Jahren Safariguide und habe so etwas noch nie live erlebt. Er sagt: „Für solche Szenen müssen professionelle Tierfilmer bis zu einem Monat auf der Lauer sein.“ (Autor: Burak)
Montag, 18.12.2023: Regenwette(r)
Paul hatte uns gestern Abend schon auf den schlechten Zustand der heute zu fahrenden Strecke vorbereitet und sich bereits im Vorfeld dafür entschuldigt. „Bad, very bad road“, murmelte er mit gerunzelter Stirn. Dass er keinesfalls übertrieben hatte, können wir heute dann am eigenen Leib erfahren. Unser Ziel ist die Khwai Campsite im nördlichen Teil des Moremi Nationalparks. Für die ersten 31 km brauchen wir ganze 2 Stunden. Die lehmige und tiefsandige Piste ist zur Hälfte überflutet und fordert Paul einige abenteuerliche Fahrmanöver ab. Unser Safariwagen samt Anhänger schlingert auf dem glitschigen Untergrund hin und her und droht einige Male im Morast stecken zu bleiben. Paul ist ziemlich besorgt und funkt die Zentrale des Safariunternehmens an. Letztendlich meistert er aber routiniert alle Schwierigkeiten und so atmen wir auf, als die Piste danach trockener und besser befahrbar wird. Die Sumpflandschaft mit ihren Lagunen verschwindet allmählich. Stattdessen fahren wir jetzt durch Akazienwälder im Wechsel mit Grassteppe, die von kleinen Tümpeln und Kanälen durchzogen ist. Wir begegnen unterwegs einigen Herden von Impalas, die aus den Pfützen direkt an der Straße trinken. Die grazilen Antilopen haben viele Kitze bei sich, die jetzt zu Beginn der Regenzeit geboren werden. Gegen Mittag erreichen wir unser Camp, das sehr schön unter schattigen Bäumen an einer Lichtung liegt. Es ist schwül und drückend heiß und so ziehen wir uns zur Siesta zurück. Pünktlich um 16 Uhr sammeln sich alle wieder zur Pirschfahrt, doch die aufziehenden Wolken verheißen nichts Gutes. Burak und ich rüsten uns mit Regenjacken aus und wetten noch schnell mit unserem Koch Chicco um 5 Pula (33 Cent), dass es gleich anfangen wird zu regnen. Nach kurzer Zeit treffen wir auf eine Gruppe von Löwen: Drei erwachsene Brüder und eine Löwin, die zusammenleben. Kaum fotografieren wir, bricht auf einmal ein heftiges Gewitter aus. Tja, Wette gewonnen, aber Pirschfahrt vorbei. Im strömenden Regen kehren wir vorzeitig ins Camp zurück und machen es uns bei Heißgetränken gemütlich. (Autorin: Marion)


Dienstag, 19.12.2023: Paris – Dakar? Dass ich nicht lache!
Wer jetzt glauben sollte, dass wir die schlimmsten Pisten bereits hinter uns haben, der sollte jetzt bitte weiterlesen. Als Paul nämlich gestern beim Abendessen wieder ankündigte, dass uns auch heute ein langer und beschwerlicher Weg bevorsteht, zeigten sich bei einigen Reiseteilnehmern – einschließlich meiner Person – erste Abstumpfungserscheinungen frei nach dem Motto: „Na ja, was soll denn jetzt noch kommen.“ „Für die rund 130 km zum Chobe Nationalpark werden wir mit Pausen etwa sechs Stunden brauchen“, so Paul in seiner Abendansprache. Am Ende aber sollen es gar mehr als neun (!) werden. Pünktlich um 6.30 Uhr machen wir uns heute Morgen auf den Weg. Mit selten mehr als 20 km/h müht sich der Safariwagen samt Anhänger zäh über die morastige Strecke. Der ergiebige Regen der letzten Tage hat die Fahrspur überschwemmt und den ohnehin schon tiefen Boden gefährlich aufgeweicht. Da die Piste wellig ist, steht das gestaute Wasser in den Senken häufig knietief. Es geht rauf und runter und wir hangeln uns von einer Wasserdurchfahrt zur nächsten. Paul ist hochkonzentriert. Vor den Wasserlöchern beschleunigt er kurz, um mit dem nötigen Schwung durchzukommen. Dennoch wird der Wagen immer wieder vom tiefen Schlamm so abgebremst, dass Paul blitzschnell herunterschalten muss, um den Motor nicht abzuwürgen. Dann wiederum tritt er im ersten Gang voll aufs Gas und lässt den Motor laut aufheulen, damit wir es noch so gerade aus dem tiefen Wasser herausschaffen. So geht es über Stunden. Eine Qual für Mensch und Maschine. Und am Ende kommt es dann doch, wie es kommen muss. Eines der Wasserlöcher ist einfach zu lang, zu tief, zu matschig. Zuerst sackt der Wagen vorne weg, dann kippt er noch leicht nach rechts. Paul gibt verzweifelt Gas, doch mit jedem Mal graben sich die Reifen noch tiefer in den weichen Schlamm. Wir stecken fest. Also alle Mann raus, Anhänger abkuppeln und schieben, was das Zeug hält. Nach einer halben Stunde und etlichen Schweißtropfen und Schlammspritzern bekommen wir den Wagen wieder frei und können die Fahrt fortsetzen. Als wir gegen 16 Uhr völlig ermattet auf der Campsite ankommen, ist es bei strahlendem Sonnenschein wieder richtig warm. Weiß eigentlich jemand, wie geil so eine kühle Buschdusche vor dem Abendessen sein kann? (Autor: Burak)
Highlight der Woche:
Safari im Moremi Nationalpark
Bild der Woche:


Hallo ihr Zwei, spannende Geschichten, danke , dass ihr eure Erlebnisse teilt. Ich wünsche euch ein besonders schönes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr und grüße euch herzlich
Carmen
Liebe Carmen,
wir sind gerade in Frankfurt gelandet und warten auf unseren Zug. Ganz schön kalt in Deutschland, aber wir freuen uns trotzdem sehr, gesund und munter wieder zurück zu sein.
Auch dir ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes, hoffentlich reisefreudiges 2024.
Liebe Grüße
Marion und Burak