Hobatere Camp – Etosha-Nationalpark (Olifantsrus, Okaukuejo, Halali, Namutoni) – Otjiwarongo – Ju/’Hoansi Living Museum
1.321 km

Mittwoch, 08.11.2023: Zebra ist nicht gleich Zebra
Nach dem Verlassen des Hobatere Camps müssen wir quasi nur die Straßenseite wechseln. Dann stehen wir bereits nach 500 m vor dem Eingangstor zum Etosha-Nationalpark – eines der Top-Highlights einer Namibiareise und berühmt für seine „Big Four“. Fehlt da nicht einer? Ja, richtig. Man findet hier Löwen, Leoparden, Elefanten und sogar Nashörner. Nur Büffel sucht man hier vergebens, die sind nämlich alle im 19. Jahrhundert an der großen Rinderpest verendet. Am Galton-Tor, dem westlichen Eingang zum Park, entrichten wir den saftigen Eintrittspreis für die nächsten vier Tage an eine gelangweilte Angestellte. Nach einer halben Stunde Fahrt auf der guten Schotterpiste im Park entdecken wir eine kleine Herde der seltenen Hartmann-Bergzebras. Bei ihnen enden die Streifen an den Seiten und gehen nicht bis zum Bauch (s. Foto) wie bei den wesentlich häufigeren Steppenzebras. „Das geht ja schon gut los“, freue ich mich. Wir wollen auf dem Weg ins Olifantrus Camp, unserem Nachtlager, noch einige Wasserstellen ansteuern. Mit etwas Glück könnten wir auch tagsüber einige Tiere sichten. Als wir unsere zweite Wasserstelle namens Klippan (wie das Sofa eines großen schwedischen Möbelherstellers) ansteuern, stockt mir der Atem. So viele verschiedene Wildtiere habe ich noch nie auf einem Fleck gesehen: Elefanten, Gnus, Oryx-Antilopen, Springböcke, Berg- und Steppenzebras, Giraffen, Adler, Geier, Strauße und mehr tummeln sich rund um das Wasserloch. Wir beobachten fasziniert die Tiere und schießen unzählige Fotos – völlig ungestört und ohne andere Touristen. Das war doch echt mal ein gelungener Einstieg in unser viertägiges Etosha-Abenteuer! (Autorin: Marion)
Donnerstag, 09.11.2023: Macker und Opfer
Gegen 10 Uhr ziehen wir los ins nächste Camp 100 km weiter östlich im Etosha-Nationalpark. Auf unserem Weg fahren wir immer wieder von der Hauptstraße ab, um Wasserlöcher aufzusuchen. Als wir an einem dieser Löcher mit dem Namen „Teëspoed“ ankommen, fehlt eigentlich nur noch das Schild „Wegen Überfüllung geschlossen“. Es wimmelt nur so von Springböcken, Zebras und Leier-Antilopen. Zwei Giraffen stehen breitbeinig am Ufer und haben ihre langen Hälse zum Wasser gesenkt. Beim nächsten Wasserloch „Sonderkop“ bekommen wir dann einen Showdown geboten. Erst stillen Horden von Gnus, Zebras, Springböcken und Oryx-Antilopen friedlich Seit an Seit ihren Durst. Dann erkennt man schon von weitem eine Staubwolke. Locker 30 Elefanten eilen im Stechschritt und mit Getöse zum Wasserloch. Wer nicht von selbst zur Seite springt, wird von den imposanten Dickhäutern selbstbewusst weggerammt. So habe ich die sanften Riesen gar nicht in Erinnerung. Auf einmal dreht sich der größte Elefant um, kommt ein paar Schritte auf unser Auto zu und trompetet angsteinflößend. Was soll ich sagen? Motor an, 1. Gang rein und tschüss. Auf der Weiterfahrt sehen wir viele Strauße, mal ganz nah am Wegesrand, mal nur aus der Ferne als runde schwarze Flecken irgendwo in der Steppe, so als hätte jemand mit einem überdimensionalen Edding-Stift Punkte in die Landschaft gemalt. Kurz bevor wir dann unser Nachtlager Okaukuejo Camp erreichen, meine ich links der Straße ein muskulöses Tier zu sehen, das sich an einen Baum legt. Ich bremse, fahre vorsichtig an die Stelle heran und habe wohl den richtigen Riecher gehabt: Fünf Löwen liegen erschöpft im Schatten eines Baumes und hecheln mit den Zungen. Das tröstet mich ein wenig, dass die auch unter der Hitze leiden. Vielleicht bin ich ja doch kein Weichei. (Autor: Burak)


Freitag, 10.11.2023: Spitz auf Breit
Eigentlich könnten wir den Etosha-Nationalpark jetzt schon verlassen. Denn was sich gestern Abend im Camp abgespielt hat, ist nicht mehr zu toppen. Aber der Reihe nach. Im Camp-Restaurant hatten wir lecker gegessen und wollten nach dem letzten Kaffee kurz noch am Wasserloch vorbeischauen. Kaum angekommen stockte mir der Atem. Mitten im Wasser steht da ein seltenes Spitzmaulnashorn und trinkt seelenruhig. Doch damit nicht genug, denn plötzlich kommen aus der Dunkelheit weitere Kolosse zum Wasserloch. „Breilmaulnashörner, und dann gleich vier“ staune ich. Gebannt verfolgen wir das Zusammentreffen der zwei Nashornarten. Ein besonders großes Exemplar der Vierergruppe stellt sich dem Spitzmaul in den Weg. Jetzt droht Ungemach, denn dieses weicht einfach nicht zurück. Kurz darauf gehen beide aufeinander los und versuchen sich gegenseitig wie zwei Sumo-Ringer aus dem Weg zu schieben. Ihre Hörner reiben immer heftiger aneinander. Es geht hin und her, Staub wirbelt auf. „Mist. Ich habe die Kamera nicht dabei“, sagt Burak. Nachdem es nach einer halben Stunde immer noch keinen Gewinner gibt, reißen wir uns schweren Herzens los und gehen müde schlafen. In der Nacht werde ich vom Gebrüll eines Tieres geweckt. Ob das wohl der Siegesschrei eines Rhinos war? Ach ja, noch ein Wort zu heute: Auf unserem Weg zu unserer nächsten Unterkunft, dem Halali Camp, haben wir wieder viele Wasserlöcher aufgesucht und unzählige Tiere gesehen. Nur der Form halber: Es ging friedlich zu. (Autorin: Marion)
Samstag, 11.11.2023: November Rain
In Namibia unterscheidet man eher zwischen einer Trockenzeit und einer Regenzeit und nicht wie bei uns zwischen den klassischen vier Jahreszeiten. Wie der Name vermuten lässt, bringt die Trockenzeit dem Land viel Dürre und verlangt Menschen, Tieren und Pflanzen so einiges ab. Daher wird die Regenzeit von den Namibiern herbeigesehnt und beginnt ab November. Genau das hat sich in den letzten Tagen abgezeichnet. Vorgestern bemerkten wir zum ersten Mal graue Schleierwolken am Himmel, die gegen Abend auch den ersten leichten Regen brachten. Gestern dann sahen die grauen Wolken schon mächtiger und bedrohlicher aus. Die Luft wurde drückend schwül und am Abend brach dann ein regelrechter Sturm los, dem kräftige Regenschauer folgten. Das Wasser lief wie aus einem Wasserhahn von unserem Zeltdach hinunter. Namibia kann also auch anders. Mit dem Regen verschwinden auch die Tiere allmählich von den Wasserlöchern, da sie jetzt auch woanders genug Tümpel finden, in denen sie ihren Durst löschen können. Während unserer Fahrt durch den Etosha-Park in den letzten Tagen konnten wir das quasi im Zeitraffer beobachten. Bei unserer fast fünfstündigen Pirschfahrt heute bot sich uns plötzlich ein ganz anderes Bild als noch am Vortag. Da wo gestern noch großes Gedränge herrschte, waren heute schon deutlich weniger Tiere an den Wasserlöchern. Entlang der Piste dann das volle Kontrastprogramm hierzu: Die Tiere waren in Bewegung auf der Suche nach feuchtem Gras und Blättern. Etliche Giraffen und Elefanten waren am Straßenrand, manche auch auf der Straße (s. Foto). Wir kamen an endlos weiter Grassavanne vorbei und sahen dort riesige Herden von Zebras, Gnus, Impalas, Springböcken und anderen Antilopen. Und kamen so voll auf unsere Kosten. Als wir am frühen Nachmittag unseren Platz auf der Namutoni Campsite beziehen, kommt einer der dortigen Angestellten auf mich zu, schaut kritisch in den Himmel, runzelt die Stirn und sagt: „There is some rain to come.“ Ich antworte mit einem süffisanten Lächeln: „I know.“ So schnell wird man zum Namibia-Kenner. (Autor: Burak)


Sonntag, 12.11.2023: Von der Pfanne ins Dreieck
Noch ein letzter Schlenker um 9 Uhr morgens zum Wasserloch Klein-Namutoni. Vielleicht bekommen wir ja doch noch einen durstigen Geparden vor die Linse. Aber nein, nur zwei Giraffen und einige Springböcke verabschieden uns heute aus dem Etosha-Nationalpark mit seiner großen Salzpfanne. Nach 4 Tagen auf verstaubten Schotterpisten führt uns nun eine asphaltierte Schnellstraße über 260 km nach Süden. Unterwegs durchqueren wir das sogenannte Maisdreieck. Dessen liebliche grüne Hügellandschaft unterscheidet sich drastisch vom sonst eher schroffen Anblick des Landes. Im Städtchen Tsumeb sticht einem direkt das knallige Orange der blühenden Flammenbäume ins Auge. Der Ort wirkt bunt und lebendig. Die Hauptstraße ist gesäumt von Marktständen, an denen Zwiebeln, Kartoffeln und riesige Melonen feil geboten werden. Obwohl Sonntag ist, hat sogar der Supermarkt geöffnet. Wir nutzen die Gunst der Stunde und beschließen, unsere Vorräte aufzustocken. Also hin zum Weinregal und eine schöne Flasche Rotwein in den Einkaufswagen gelegt. Denkste! Plötzlich spricht uns ein junger Mann freundlich an, dass doch heute Sonntag sei. Als wir ihn fragend anschauen, erklärt er uns, dass sonntags kein Alkohol verkauft werden darf. Zerknirscht stellen wir den Wein wieder zurück ins Regal und steuern stattdessen auf die gekühlten Flaschen koffeinhaltiger Brause eines US-amerikanischen Herstellers zu. Den Wein holen wir dann später in unserer heutigen Unterkunft, der Frans Indongo Lodge, nach. Zu Eland-Steak gibt es einen südafrikanischen Pinotage. So fromm ist Namibia dann doch wieder nicht. (Autorin: Marion)
Montag, 13.11.2023: Katzen, die wie Hunde sind
Heute besuchen wir den Cheetah Conservation Fund. Cheetah heißt auf Deutsch Gepard, und der Erforschung und dem Erhalt genau dieser Großkatzen widmet sich die Stiftung. Seit 1990 werden hier verletzte, kranke oder illegal in Gefangenschaft gehaltene Geparde aufgenommen, aufgepäppelt, betreut und gepflegt. Die meisten bleiben ihr Leben lang hier, da sie in der freien Wildbahn kaum noch eine Chance hätten zu überleben. Einige wenige robustere Tiere werden aber auch gezielt in geeigneten Lebensräumen wieder ausgesetzt. Wir buchen eine Rundfahrt über das weitläufige umzäunte Gelände und sind die einzigen Gäste. Unser Fahrer Job (so heißt er wirklich) nimmt sich viel Zeit für uns. Er fährt uns zu Geparden, die in der Mittagshitze im Schatten ihres Lieblingsbaumes sitzen und wie Hunde hecheln. Überhaupt verhalten sich diese Großkatzen seltsamerweise in einigen Dingen nicht wie ihre näheren Verwandten, sondern eher wie Hunde. Man kann Geparde abrichten, streicheln und als treuen Gefährten zuhause halten. Manche lassen sich sogar an der Leine führen. Welche eigensinnige Hauskatze würde das schon mit sich machen lassen? Nach der Rundfahrt dürfen wir bei der Fütterung der Geparde zuschauen. Heute gibt es Eselskeule. Kaum sind die Näpfe aufgestellt, stürzen sich die Tiere auf das Futter und verschlingen gierig das Fleisch bis auf den Knochen. In einem Gehege nebenan bekommen zwei ältere Geparde durch den Wolf gedrehtes Fleisch als Schonkost, weil sie eine Magenschleimhautentzündung haben. Übrigens: Geparde sind dafür bekannt, dass sie bis zu 120 km/h im Sprint laufen können, so schnell wie kein anderes Tier. In Gefangenschaft büßen sie diese Fähigkeit aber schnell ein. Einer der Pfleger erklärt uns: „Morgens machen wir mit den Geparden Frühsport und lassen sie hinter einer Beuteattrappe hinterherlaufen. Die Attrappe ist 65 km/h schnell. Unsere Tiere können da schon nicht mithalten.“ (Autor: Burak)


Dienstag, 14.11.2023: Im Buschmannland
Die Götter müssen verrückt sein. Welcher Ü-50er kennt diesen Kultfilm nicht? Zur Erinnerung: Das ist der Film, in dem einem Khoisan (früher Buschmann) eine Colaflasche vom Himmel vor die Füße fällt. Und genau hier, im Buschmannland, sind wir heute – und zwar im Living Museum der Ju/’Hoansi, einem Stamm der Khoisan. Hier wird interessierten Touristen gezeigt, wie das Leben der Buschmänner vor 100 Jahren ausgesehen hat. Ob Fährtenlesen, die Jagd mit Pfeil und Bogen, Singen und Tanzen oder die Herstellung von traditionellem Schmuck, man hat die Qual der Wahl. Wir entscheiden uns zuerst für einen 1,5-stündigen Bushwalk und staunen nicht schlecht als uns zwei Khoisan im knappen Lendenschurz zur Wanderung abholen. Hier erfahren wir viel Interessantes über Heilpflanzen im Busch und die Herstellung von Giftpfeilen für die Jagd. Burak kann sich direkt beim Erlegen einer Eland-Antilope aus Stroh beweisen. Aber auch in das heutige Leben der Khoisan möchten wir einen Blick werfen und so werden wir von der freundlichen Lehrerin durch die Schule des Dorfes geführt. Im kleinen Einkaufsladen des Ortes, der gleichzeitig auch Treffpunkt und Bar ist, werden wir neugierig von den Einheimischen beäugt. Abends am Lagerfeuer erzählt uns der Medizinmann noch einige Geschichten zu den Khoisan. Sein Begleiter übersetzt die für uns urtümliche klingende Sprache mit vielen Klick- und Schnalzlauten ins Englische. Als wir später müde auf unserer einsamen Campsite mitten im Busch zu Bett gehen, hört man nur das gelegentliche Zirpen einer Grille. (Autorin: Marion)
Highlight der Woche:
4 Tage im Etosha-Nationalpark
Bild der Woche:


Ich schicke Euch mal (erstmals seit vielen Tagen) sonnige und trockene Grüße aus dem Münsterland.
Man spürt in eurem “Tagebuch “ eure Begeisterung sehr gut. Und ich kann es nachvollziehen!
Ihr erlebt das, was Andere nur im Fernsehen schauen!
Bleibt gesund!!
P.S: ich hätte gerne ein paar Wimper-Haare eines Löwen in freier Wildbahn…lieber Burak, liebe Marion..Wäret ihr vielleicht so nett? Leopard ginge zur Not auch…
Bis bald! Willi
Hallo Willi,
sonnig und trocken im Münsterland? Das können doch nur „Fake-News“ sein 😉
Wir haben gestern sowohl beim Löwen als auch beim Leoparden höflich angefragt, aber irgendwie waren die nicht gut drauf. Wir hoffen dennoch, dass unsere Begeisterung für das südliche Afrika trotz fehlender Wimpernhaare diverser Raubtiere weiterhin gut rüberkommt. Bleib auch du gesund und munter.
Viele liebe Grüße heute mal vom Okavango in Botswana,
Marion und Burak 🙂
Hallo Ihr Beiden,,
freut uns, dass es Euch gut geht und Eure Reise offensichtlich ein einziges Abenteuer ist. So viele Eindrücke und Erlebnisse. „Wow !“. Hier trübes Novemberwetter 😔. Feiert das Bergfest der Reise. Wir werden jedenfalls heute auf Euch anstoßen und freuen uns auf weiterhin tolle Reiseberichte und wünschen Euch noch viele beeindruckende Augenblicke. Offensichtlich haben sich Akribie in der Vorbereitung und – vor allen Dingen – Respekt vor dem Ungewissen gelohnt: Kann man sich Glück verdienen ? Wünsche Euch, dass Ihr die Frage am Ende der „Expedition“ mit einem klaren „JA“ beantwortet.
Alles Gute
Familie Venedey aus Erk.
Liebe Venedeys aus Erk.,
vielen Dank für die guten Wünsche. Insbesondere freut es uns, wenn sich langbewährte gute Freunde an der Lektüre unseres Blogs laben. Manchmal sehnen wir bei 40 °C und gefühlten 80 % Luftfeuchtigkeit ein schmuddeliges deutsches Novemberwetter geradezu herbei. Aber nun zur alles entscheidenden Frage: Glück kann man sich vielleicht verdienen, durch Fleiß, Arbeit, Gewissenhaftigkeit und nicht zu vergessen: Demut. Nach diesem Wort zum Dienstag wünschen wir Euch noch eine wunderschöne Herbstzeit und freuen uns auf unser Wiedersehen.
Viele liebe Grüße aus Katima Mulilo im Nordosten des Caprivi-Streifens direkt an der Grenze zu Sambia (Lusaka 😉 )
Marion und Burak