Woche 6: Namibia-Botswana-Tour 2023

Ju/’Hoansi Living Museum – Rundu – Divundu – Okavango-Panhandle (Botswana) – Mahango Game Park – Katima Mulilo – Sambesi
1.040 km

Highlight / Bild der Woche

Szene am Straßenrand
Mittwoch, 15.11.2023: Jetzt wird‘s „afrikanisch“

Wir müssen heute zeitig aufbrechen, da mit über 400 km die bislang längste Tagesetappe vor uns liegt. Daher verlassen wir schon am frühen Morgen unserer einsame Campsite im Buschmann-Dorf und fahren zuerst knapp eine Stunde über gut befahrbare Sand- und Schotterpiste. Die mündet dann in die B8, eine durchgehend geteerte Schnellstraße, der wir über 300 km nach Norden folgen. Mit jedem Kilometer, den wir fahren, merken wir, dass sich sowohl die Vegetation als auch der Kulturraum mehr und mehr verändern. Die Bäume werden größer und zahlreicher, die Landschaft grüner, das Klima subtropisch. Hier im Nordosten, im Land des Volkes der Kavango, ist Namibia „afrikanischer“ als sonstwo. Stundenlang fahren wir an kleinen umzäunten Dörfern mit einem Mischmasch aus Lehm-, Rund- und Wellblechhütten und einigen winzigen Steinhäuschen vorbei. Überall am Rande der Schnellstraße sind junge Menschen. Manche sitzen einfach nur da und schauen die mit 120 km/h dicht an ihnen vorbeikrachenden Autos unbeteiligt an. Männer hantieren an schrottreifen Autos herum. Frauen schleppen Körbe auf ihren Köpfen. Einige Kinder treiben Vieh, andere wiederum tragen Schuluniform und gehen ihres Weges. Auf halber Strecke machen wir Zwischenstation in Rundu, der mit über 60.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Namibias. Hier ist alles noch quirliger, noch wuseliger. Die Stadt ist voller Menschen und Autos. Wer es gerne mit Klischees hat, findet hier viel Afrika vor. Am Nachmittag kommen wir in der Riverdance Lodge an. Hier direkt am Ufer des Okavango werden wir zwei Nächte bleiben. Von unserer Terrasse aus blicken wir direkt auf Angola. Aber das hatten wir ja schon mal. (Autor: Burak)

Donnerstag, 16.11.2023: Einmal stromabwärts bitte!

9 Uhr morgens auf unserer Veranda. Lautes Gezwitscher. Rechts im Baum ein Paradies-Fliegenschnäpper mit langen kupferroten Schwanzfedern. Links auf dem Ast zwei blau-weiße Kingfisher, eine Art Eisvogel, beim Balztanz und in der Mitte dann der mächtige Okavango zu meinen Füßen. Ich kneife meine Augen zusammen und erkenne am anderen Ufer in Angola einige Frauen, die Wäsche waschen, und Männer, die mit Körben zu fischen scheinen. Ich löse mich von diesem Anblick und fläze mich auf den Liegestuhl, denn wir wollen zur Abwechslung mal nur relaxen. Gesagt, getan und so verläuft dieser Tag heute ungewöhnlich ruhig. Aber wenn wir schon mal am Okavango sind, darf natürlich ein romantischer Sundowner-Cruise auf dem Fluss nicht fehlen. Um 16 Uhr steigen wir mit zwei weiteren Paaren in das Boot mit gepolsterten Stühlen an Deck. Unsere Fahrt führt uns an kleinen Stromschnellen und einigen Felsen vorbei. Plötzlich ein lautes Schnauben – eine Herde Nilpferde ist direkt vor uns. Wir halten an und beobachten die Tiere eine Weile. Ein Weibchen hat ein kleines Kälbchen neben sich. Dann gibt unser Kapitän Gas und zieht schnell an der Herde vorbei. Der Anführer der Nilpferde springt hoch aus dem Wasser und reißt drohend sein Maul auf. Puh, mit dem legt man sich besser nicht an. Auf einer kleinen Insel landen wir nach einer Stunde an und genießen unseren Sundowner-Drink und kleine Snacks. Plötzlich aber fängt es an zu donnern und zu blitzen. Also schnell die Sachen zusammengepackt und wieder zurück an Bord. Auf der Rückfahrt fahren wir so dicht am Ufer von Angola vorbei, dass man ins Schilf greifen kann. (Autorin: Marion)

Abendstimmung am Okavango
Sunset-Dinner in der Xaro Lodge
Freitag, 17.11.2023: Zwischenspiel in Botswana

Nach über 5 Wochen verlassen wir heute Namibia, aber erst einmal nur für 2 Tage. Denn Botswana ist keine 50 km entfernt. Daher lohnt sich ein Abstecher in die sogenannte Panhandle, sprich den Pfannenstiel des Okavango. So heißt der Teil des Flusses, bevor er sich weiter stromabwärts in sein weltberühmtes Delta aufteilt. Nach einer Stunde Fahrt erreichen wir den Grenzposten Mohembo. Da es kaum andere Touristen gibt, dauern die Einreiseformalitäten nach Botswana in der Immigration Office trotz griesgrämig dreinblickender Grenzbeamter kaum eine Viertelstunde. Die größere Einreisehürde steht uns aber eigentlich noch bevor. Denn wir haben schon viel von der berüchtigten und langwierigen Inspektion des Wagens an der botswanischen Grenze gehört, da keinerlei Produkte tierischen Ursprungs, sprich Fleisch, Eier, Käse, Milch usw., in das Land eingeführt werden dürfen. Als wir aber voller Anspannung am Kontrollhäuschen ankommen, staunen wir nicht schlecht: Der Zollbeamte lächelt nur gelassen, hebt den Daumen und winkt uns durch. Kaum ist der Wagen in Bewegung, fahren wir auch am Schild „Welcome to Botswana“ vorbei. Das nenn ich ja mal „Grenzübertritt light“! Nur wenig später erreichen wir kurz hinter dem Ort Shakawe unseren Anleger. Ja richtig, unsere heutige Unterkunft, die Xaro Lodge, ist nur per Boot zu erreichen, da sie auf einer kleinen Insel im Okavango liegt. Schon die Fahrt zur Lodge ist ein Erlebnis. Wir gleiten langsam über den Fluss, der umrahmt von hohem Schilf und Papyrus gemächlich durch sein Bett mäandert. Zahlreiche tropische Vögel bewohnen das Flussufer und 10 Meter hinter uns taucht plötzlich ein großes Krokodil auf. Als wir kurz darauf unsere Lodge erreichen, blicke ich auf den Weg zurück, den wir gekommen sind: Wasser und Schilf soweit das Auge reicht. (Autor: Burak)

Samstag, 18.11.2023: Auf Pirsch – zu Land und zu Wasser

Morgens um 6 Uhr 30 eilen wir im Stechschritt zur Rezeption. Haben wir auch an alles gedacht? Wanderschuhe an den Füßen, Insektenschutzmittel im Rucksack und Kamera in der Hand – Check: alles da! Jetzt kann es losgehen zum Bushwalk. Unser Guide Ray und zwei weitere Touristen warten schon auf uns. Beeindruckt schaue ich auf deren Feldstecher und das überdimensionale Teleobjektiv. Da scheinen Profis am Werk zu sein. Ray führt uns nun kreuz und quer durch den kleinen Wald bei der Xaro Lodge. Er zeigt uns frische Spuren von Nilpferden, Elefanten und sogar vom Sitatunga, einer echten Rarität. Diese scheue Antilope kommt nur in Flussnähe vor. Leider bleibt es bei der Sichtung der Fährten. Später finden wir den verlassenen Bau eines Honigdachses, der zu den nachtaktiven Tieren gehört. Doch dann haben wir das Glück, eine sehr seltene Fischeule zu entdecken. Mit riesigen Augen schaut uns die große Eule vom Baum herab an. Am Nachmittag brechen wir zu einem Bootsausflug auf dem Okavango auf. Diesmal führt uns ein Guide namens Fly, ein ausgewiesener Vogelexperte. Wir gleiten mal schnell, mal langsam durch die Seitenarme des Flusses und beobachten dabei Krokodile, Elefanten und jede Menge Vögel. Neben Schreiseeadler, Kormoran und Bienenfresser faszinieren uns besonders die wunderschönen farbenfrohen Eisvögel. Wie fliegende Edelsteine flattern sie umher und sind unser liebstes Fotomotiv. So vergehen die 3 Stunden auf dem Wasser wie im Flug und sind der gelungene Abschluss unseres Lodge-Aufenthaltes. (Autorin: Marion)

Malachit-Eisvogel am Okavango
Ist dieses Schild noch politisch korrekt?
Sonntag, 19.11.2023: Back to Namibia

Heute endet unser kurzes Zwischenspiel in Botswana. Nach 2 Tagen verlassen wir nämlich unsere Unterkunft auf der kleinen Insel in der Okavango-Panhandle und fahren wieder zurück nach Namibia. Aber es ist kein Abschied für immer. In etwa einer Woche werden wir wieder zurück sein in Botswana, dann gleich für mehrere Wochen. Nach wenigen Kilometern ist der Grenzübergang Mohembo erreicht. Die Grenzformalitäten dauern zu unserer Freude genauso kurz wie auf der Hinfahrt und schon sind wir wieder in Namibia. Eine knappe halbe Stunde später kommen wir an unserer heutigen Unterkunft, der Mahangu Safari Lodge an. Der junge Mann an der Rezeption empfängt uns mit „Moin“ und fließendem Deutsch. Kein Wunder, steht die Lodge doch unter deutscher Leitung. Er bringt uns zu unserem „Zimmer“, einem geräumigen fest aufgestellten sogenannten Safari-Zelt mit Klimaanlage, Badezimmer und großer Terrasse direkt am Ufer des Okavango. Am gegenüberliegenden Flussufer sehen wir zahlreiche Antilopen, die sich am Wasser erfrischen. Erfrischen ist kein schlechtes Stichwort. Wir machen zwei kalte Bier aus unserem Autokühlschrank auf und genießen den wunderbaren Ausblick. Am Nachmittag nehmen wir an einer Pirschfahrt durch den benachbarten Mahango Game Park teil und haben Glück, dass wir die einzigen sind. So bekommen wir eine Privattour ganz für uns alleine. Unser Guide Philipp fährt uns geduldig 3,5 Stunden durch das Naturschutzgebiet bis an flache Wasserstellen in den Überflutungsgebieten des Okavango. So entdecken wir Giraffen, Elefanten, Impalas, Kudus, Meerkatzen, Paviane und als Premiere auch endlich einen der Big Five: mächtige Kaffernbüffel. Denn die gibt es in Namibia nur hier im nordöstlichsten Zipfel des Landes. Jetzt fehlt nach Löwe, Nashorn, Elefant und Büffel nur noch ein Aufkleber in unserem Big Five-Sammelalbum. Ob wir wohl noch einen Leoparden zu Gesicht bekommen werden? (Autor: Burak)

Montag, 20.11.2023: Odyssee im Caprivi

Ein dumpfes, kehliges und sehr lautes Grunzen direkt neben unserem Zelt. Es ist 5 Uhr 30 morgens. „Grasende Nilpferde“, denke ich und ziehe meine Bettdecke mit einem leichten Schaudern bis unter die Nase. Die Neugier obsiegt schließlich und so wecke ich Burak auf. Mit unseren Kameras bewaffnet spähen wir vorsichtig nach draußen. Vor uns im Okavango entdecken wir eine Hippo-Familie, die genüsslich im Wasser plantscht. Das aufziehende Morgenrot dazu gibt eine fantastische Kulisse. Wir frühstücken später gemütlich in der Mahangu Safari Lodge und halten noch ein Pläuschchen mit dem deutschen Besitzer. Heute möchten wir die 200 km lange Transitstrecke schnurstracks nach Osten durch den Caprivizipfel nehmen, um am Kwando River zu übernachten. Eigentlich jedenfalls. Aber irgendwie sind die Caprivianer ein ganz anderer Menschenschlag als die übrigen Namibier: Lächeln Fehlanzeige! Wir klappern drei Lodges am Kwando ab und ernten jedesmal mürrische Blicke, wenn wir die Zimmer vorab sehen möchten. Unsere (legitime) Frage nach einem Last-Minute-Rabatt wird entweder mit Augenrollen oder Aufstöhnen beantwortet. Von Service am Kunden keine Spur. Wir fühlen uns lästig und pfeifen auf den Kwando. Ernüchtert beschließen wir, bis Katima Mulilo weiter zu fahren. Diese Stadt mit 38.000 Einwohnern liegt direkt am Sambesi und ist ein wichtiger Handelspunkt zwischen Namibia, Sambia und Simbabwe. Hier finden wir ein kleines Gästehaus nach unserem Geschmack. Mit freundlichem Service, schmackhafter einheimischer Küche und direkt am Sambesi gelegen. Unsere Odyssee hat ein gutes Ende gefunden. (Autorin: Marion)

Entspannter Tag am Sambesi
Hauptstraße in Katima Mulilo
Dienstag, 21.11.2023: Weit, weit im Nordosten

Wir haben heute nur knapp 40 km zu fahren und lassen es daher ganz entspannt angehen. Erst mal wird in Ruhe gefrühstückt und dann in den Reiseführern gestöbert, um zu gucken, wie unsere Route in den nächsten Tagen aussehen könnte. Denn übermorgen steht der endgültige Grenzübertritt nach Botswana an. Da wir eh erst ab 14 Uhr in unserer heutigen Unterkunft einchecken können, haben wir noch ein wenig Zeit und fahren ins Stadtzentrum von Katima Mulilo. Es ist ordentlich was los hier an einem gewöhnlichen Dienstag. Wir kommen an modernen Einkaufszentren wie auch an quirligen Märkten mit einfachen hölzernen Verkaufsständen vorbei. Die Menschen warten an Bushaltestellen, stehen Schlange vor Geldautomaten, feilschen um Waren oder sitzen vor den Geschäften herum. Autos verstopfen die Hauptstraße. Was uns aber wundert ist, mit welcher Ruhe und Gelassenheit das Ganze vor sich geht. Niemand ruft laut oder schreit herum. Nicht ein einziges Mal hören wir ein Auto hupen. Das Leben geht seinen Gang, als würde alles wie am Schnürchen von einer unsichtbaren Hand gelenkt. Eine Beobachtung übrigens, die wir nicht das erste Mal in Namibia machen. Irgendwas machen die Afrikaner offensichtlich besser als wir. Gegen Mittag erreichen wir dann unsere Unterkunft, die Kubu & Kwena Lodge. Unser geräumiges und urig afrikanisch eingerichtetes Safari-Zelt liegt direkt am Ufer des Sambesi. Von der großen Holzterrasse aus blicken wir über teilüberflutete weite Wiesen, auf denen Kühe weiden, bis ins benachbarte Sambia. Fast schon ein bisschen wehmütig, steht doch der Abschied von Namibia bald bevor. (Autor: Burak)

Highlight der Woche:

Tierwelt am Okavango

Bild der Woche:

Elefanten im Abendlicht

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