Woche 7: Namibia-Botswana-Tour 2023

Sambesi – Chobe – Grenzübertritt Botswana – Kasane – Elephant Sands Lodge – Nata – Francistown – Tswapong Hills
897 km

Highlight / Bild der Woche

Unser Safari-Zelt im Chobe River Camp
Mittwoch, 22.11.2023: Anopheles, nein danke!

Nein, hier ist nicht die Rede von einer griechischen Göttin. Hier geht es um kleine fiese Blutsauger, auch Malariamücken genannt. Da sie sich besonders gut in stehenden Gewässern jeder Größe vermehren – kleinste Tümpel und selbst wassergefüllte Hufabdrücke reichen schon – befinden wir uns hier im Caprivi in einem Hochrisikogebiet. Um nicht an dem lebensbedrohlichen „Wechselfieber“ zu erkranken, schlucken wir seit einer Woche jeden Morgen brav unsere Malariatabletten. Und auch sonst sind wir immer auf der Hut. Lange Hosen und lange Ärmel in der Dämmerung und 3 Sorten Abwehrspray für Haut und Kleidung. Klingt nicht nur anstrengend, ist es auch. Und falls es schon jemandem aufgefallen sein sollte: Statt im Dachzelt zu übernachten, gönnen wir uns bis auf Weiteres feste Unterkünfte. Nach Möglichkeit klimatisiert – das mögen die Stechinsekten gar nicht – und mit Moskitonetz über dem Bett. Eine schöne Abwechslung zum staubigen Dasein als Camper. Heute bleiben wir in einem Safari-Zelt auf Stelzen mit Rundumblick über die weite Grasebene. Im Hintergrund das sich schlängelnde blaue Band des Chobe, dem Grenzfluss zwischen Namibia und Botswana. Hier am Flussufer verbringen wir unsere letzte Nacht in Namibia. Morgen beginnt dann auf der gegenüberliegenden Seite unser Botswana-Abenteuer. (Autorin: Marion)

Donnerstag, 23.11.2023: Dramatische Minuten auf dem Chobe

Es gibt Tage, bei denen weiß man sofort, dass man sich für den Rest des Lebens an sie erinnern wird. Dieser ist genau so einer. Aber von vorn. Nach 6 Wochen heißt es heute Abschied nehmen von Namibia. Der Grenzübertritt nach Botswana um 9 Uhr morgens an der Ngoma Bridge verläuft völlig unkompliziert. In Kasane, dem nächsten größeren Ort, ziehen wir als erstes botswanische Pula am Geldautomaten und besorgen uns eine SIM-Karte für Botswana. Dann fahren wir in unsere nahe gelegene Unterkunft, ein kleines, gemütliches, von einer herzlichen Einheimischen geführtes Gästehaus. Hier treffen wir eine denkwürdige Entscheidung, wie sich erst später herausstellen wird: Wir buchen eine 3-stündige Bootsfahrt auf dem Chobe. Um 15 Uhr legt unser kleines Boot mit 12 Gästen ab. Wir gleiten bei warmem Sonnenschein auf dem ruhigen Fluss dahin. Ab und zu taucht ein Flusspferd oder ein großes Krokodil aus dem Wasser auf, am Ufer sind zahlreiche Wasservögel. Nach etwa einer Stunde verfinstert sich der Himmel innerhalb weniger Minuten. Am Horizont stürzt der Regen in Wirbeln auf den Boden wie ein bedrohlich herannahender Tsunami. Kaum habe ich dieses Bild im Kopf, stecken wir mitten im Fluss in einem ausgewachsenen Tropensturm. Der Chobe wird zum wilden tosenden Strom, dessen hohe Wellen unser kleines Boot wie einen Spielball hin- und herschleudern. Die Gischt stürzt ins Boot. Wir werden klatschnass. Panik macht sich breit. Eine dänische Touristin schreit den Bootsführer an: „This is not safe! This is not safe!“ Rettungswesten werden verteilt. Ich denke: „Wer jetzt aus dem Boot stürzt, ertrinkt oder wird von den vielen Krokodilen gefressen.“ Dem jungen Bootsführer steht die Angst ins Gesicht geschrieben. Hektisch versucht er gegen die Wellen anzurudern. Erst nach einer Viertelstunde können wir das sichere Ufer erreichen und warten bis sich der Sturm endlich legt. Nach dem Sturm herrscht eine fast absurde friedliche Stimmung. Die feuchten Wiesen sind jetzt übervölkert von im Sonnenschein grasenden Nilpferden, Büffeln und Antilopen. Auf unserem Rückweg fahren wir an einem gekenterten Boot und einem völlig in sich zusammengestürzten Bootsanleger vorbei. Nein, diesen Tag werde ich nie wieder vergessen. (Autor: Burak)

Mitten im Tropensturm
Der Elefantenflüsterer

Frisch gestärkt durch ein reichhaltiges Frühstück verlassen wir heute unsere familiäre Pension Nxabii Cottages in Kasane. Nach dem aufregenden Tag gestern haben wir abends noch lange mit einer Globetrotterin aus der Schweiz zusammengesessen. Ausgestattet mit ihren Insidertipps machen wir uns nun auf die 248 km lange, eintönige Strecke Richtung Süden. Unser Ziel ist die Elephant Sands Lodge. Auf die sind wir richtig gespannt, denn diese Lodge ist Kult. In der sandigen Steppe hat man hier rund um ein Wasserloch kleine Chalets, Safarizelte und Campsites angeordnet. Da die Lodge nicht eingezäunt ist, können Elefanten und andere Tiere ungehindert auf ihren alten Pfaden bis zum Wasser laufen. Und das tun sie ständig, sozusagen Tag und Nacht. Es herrscht daher ein reger „tierischer“ Verkehr auf dem Gelände. Einmalig ist es, die grauen Riesen aus nächster Nähe beobachten zu können. Doch Vorsicht! Auch wenn sie mehrere Tonnen wiegen, man hört die Elefanten echt nicht kommen. So leise eilen sie auf ihren Sohlen zur Wasserstelle. Wenn man von seiner Unterkunft zur Rezeption geht, muss man daher höllisch aufpassen, dass man von so einem Koloss nicht kurzerhand umgerannt wird. Alleine am Abend habe ich 16 Elefanten gezählt, die sich um das Wasserloch drängten. Das Verhalten der Tiere untereinander kann man sehr gut beobachten. Einige geben sich forsch und drängen andere Artgenossen zur Seite. Andere warten brav am Rande des Wasserlochs, bis sie an der Reihe sind. Selbst wenn es eine Stunde dauert. Manches Verhalten kommt mir gar sehr menschlich vor. (Autorin: Marion)

Samstag, 25.11.2023: Wohnen wie ein Hippie

Das Verlassen unserer Unterkunft lief bisher immer nach folgendem monotonen Schema ab: Aufstehen, frisch machen, frühstücken, einpacken und wegfahren. Heute hätten wir das auch gerne so machen wollen, wäre da nicht dieser halbstarke junge Elefantenbulle gewesen, der uns böse dreinblickend den Weg versperrte. Warum muss er sich auch genau neben die einzige Sandpiste stellen, die von der Lodge wegführt? Als ich vorsichtig im 1. Gang anfahren will, stellt er auch noch einen seiner dicken Füße demonstrativ auf die Piste, so als wolle er sagen: „Versuch‘s doch mal, du haarloser Schimpanse!“ Ich habe verstanden. Wir fahren zurück zur Lodge und warten. Als wir nach 10 Minuten an dieselbe Stelle zurückkommen, steht er immer noch da, interessiert sich aber nicht mehr für uns, da er mit einem Nebenbuhler beschäftigt ist. Wir fahren mit großem Respekt und Bogen an den zwei Krawallbrüdern vorbei und atmen erstmal tief durch. Nach einer Stunde Fahrt erreichen wir unsere heutige Unterkunft, das Eselbe Backpackers Camp. Hier hat Ruppert, ein Brite mit Wurzeln im südlichen Afrika, nach freier Hippie-Manier fernab der Hauptstraße in jahrelanger Arbeit liebevoll ein kleines Camp aufgebaut. Wir sind die einzigen Gäste und fühlen uns wie mit einer Zeitmaschine in die 70er Jahre zurückversetzt. Die Anlage versprüht einen schmuddeligen Charme und erinnert an einen Recyclinghof. Die Wände unserer Hütte bestehen teils aus Stroh, teils aus in Beton eingegossenen bunten alten Flaschen. Draußen in einer schattigen Ecke wurden alte Autoreifen als Sitzflächen für die Stühle gebraucht. Bei über 40 °C drückender Hitze ist an Aktivitäten nicht zu denken. Wir hängen den ganzen Tag irgendwo ab, ständig auf der Suche nach Schatten und einem lauen Lüftchen, das leider wie aus einem heißen Fön daherkommt. Zum Abendessen hat uns Ruppert Spaghetti Bolognese zubereitet. Wir sitzen noch lange mit ihm zusammen und unterhalten uns über Botswana und die ganze Welt, wohlgemerkt immer noch bei deutlich über 30 °C! (Autor: Burak)

Lounge im „Hippie-Camp“
Zaungast beim Gottesdienst
Sonntag, 26.11.2023: Stimmen vom Fluss

Träge und gerädert schäle ich mich heute Morgen aus dem Moskitonetz. Die Luft ist über Nacht kaum abgekühlt. Seit einer Woche das gleiche Spiel: Wir schwitzen und leiden. Plötzlich höre ich einen Chor singen. Meine ersten Gedanken: Hitzschlag? Halluzinationen? Nebenwirkungen der Malaria-Tabletten? Aber nein. Ganz eindeutig hört man jetzt den mehrstimmigen Gesang eines Chores, der langsam lauter wird. Die afrikanischen Rhythmen klingen beschwingt und lebensfroh. Ich trete aus unserer Hütte und horche genauer hin. Ruppert, der Campbesitzer, kommt auf mich zu: „Unten am Fluss, ein Gottesdienst!“ Also schnell runter zum Flussufer, das nur 100 m vom Camp entfernt ist. Auf der anderen Uferseite sehen wir eine Gruppe von Einheimischen, die inbrünstig singen und jubeln. Zwei Männer stehen bis zur Hüfte im Wasser. Ein Geistlicher in auffälliger gelb-violetter Robe fängt plötzlich laut an zu beten und zu singen. Einige Frauen weinen und schreien wie in Ekstase, es scheint auf den Höhepunkt der Veranstaltung zuzugehen. Als schließlich eine Frau ganz in rote Tücher gehüllt ins Wasser geht, verstehe ich: Hier findet heute eine Taufe statt. Dreimal wird die Frau von zwei Gehilfen unter Wasser getaucht und dann gesegnet. Eine weitere Frau wird auf die gleiche Weise getauft. Wir versuchen möglichst unauffällig zu fotografieren, um die Zeremonie nicht zu stören. Kurz nach der Taufe zerstreut sich schon die Festgesellschaft und der Gesang verstummt. Noch ganz beeindruckt vom Erlebten schlendern wir zurück ins Camp. Heute verlassen wir das ländliche Gebiet um Nata. Rund 200 km weiter südlich erreichen wir Francistown, eine lebendige Stadt mit über 100.000 Einwohnern. Hier spazieren wir kurz über einen quirligen Sonntagsmarkt und fallen total auf, da wir weit und breit die einzigen Weißen sind. Hierhin verirren sich kaum Touristen, da die Stadt keine besonderen Attraktionen, sondern nur „normalen afrikanischen Alltag“ bietet. Aber vielleicht ist das ja gerade die Attraktion. (Autorin: Marion)

Montag, 27.11.2023: Sag mir, wo die Berge sind

Nach ein paar Tagen in und mehreren hundert Kilometern durch Botswana haben wir uns gestern während der Fahrt plötzlich gefragt: „Moment mal, fehlt hier nicht etwas? Wo sind eigentlich die Berge?“ In der Tat. Botswana ist ein überwiegend flaches Land, ganz anders als Namibia zum Beispiel, wo wir an vielen beeindruckenden Tafelbergen und Bergketten vorbeigekommen waren. Der höchste Berg Botswanas ist gerade einmal 1.494 m hoch. Klar, ist alles relativ. Für Holländer und Dänen ist das unvorstellbar. Aber für uns als Alpenanrainer muss da schon mehr kommen, oder? Nicht wirklich, wie wir heute zu unserer Überraschung und Freude feststellen dürfen. Unser Weg führt von unserer Unterkunft in einem Vorort von Francistown etwa 180 km in den Südosten Botswanas, keine 100 km mehr von Südafrika entfernt. Nachdem wir lange Zeit auf unspektakulärer Teerstraße durch flache, trockene Landschaft gefahren sind, biegen wir auf eine Nebenstrecke ab. Ab hier ändert sich das Bild schlagartig. Die Vegetation wird spürbar dichter und grüner. Die Bäume werden immer zahlreicher, bis sie sich zu einem lichten Wald auf kupferroter Erde vereinen. Wir fahren geradewegs auf die Bergkette der Tswapong Hills zu, die sich wie eine langgestreckte dicht bewachsene dunkle Wand vor uns auftürmen – und müssen am Ende feststellen: Auch 1.390 m können ganz schon imposant sein. Also, nichts für ungut, liebe Holländer und Dänen! Am Ende unserer Tagesetappe kommen wir noch durch ein entlegenes, lieblich anmutendes afrikanisches Dorf und erreichen nach wenigen Kilometern sandiger Allradpiste unsere heutige Unterkunft, das Goo-Moremi Gorge Resort. Wir sind die einzigen Übernachtungsgäste und genießen die Stille, die der Ort ausstrahlt. Von der Terrasse unseres luxuriösen Zeltes blicken wir direkt auf das Band der Tswapong Hills – von dem einsamen Pool des Restaurants übrigens auch. (Autor: Burak)

Marion, der Pool und die Tswapong Hills
TV verzichtbar, Klimaanlage NICHT!
Dienstag, 28.11.2023: Was nicht im Reiseführer steht

Namibia und Botswana als Ganzjahresziele – das steht zumindest in jedem Reiseführer und in den Katalogen sämtlicher Veranstalter, die ich gelesen habe. Dann muss das doch auch stimmen, oder? So dachte ich jedenfalls vor der Reise. Jetzt weiß ich, dass man sich quasi zwischen Pest und Cholera entscheiden muss. Fährt man im afrikanischen Winter, also von Juni bis September hierher, dann friert man sich nachts bei Minusgraden in den teils nicht oder nur unzureichend beheizten Unterkünften den A…, äh ich meine den Hintern ab. Andererseits ist es in den übrigen Monaten so unerträglich schwül und heiß, dass man tagsüber wie gelähmt rumhängt und nachts keinen Schlaf findet. „Dann mach doch einfach die Klimaanlage an!“ wird vielleicht mancher Leser denken. Finde den Fehler! Der neue Trend im Tourismus heißt Nachhaltigkeit. In gängigen Buchungsportalen buhlen die Unterkünfte um die beste Bewertung für Umweltfreundlichkeit. Auf Deutsch bedeuten drei grüne Blätter: Keine Minibar, kein Ventilator, keine Klimaanlage, auch nicht bei 43 Grad! Wir haben schon verzweifelte ältere Touristen gesehen, die mit hochrotem Kopf an der Rezeption einer Luxuslodge um eine Möglichkeit zur Abkühlung gebettelt haben, leider vergebens. In kleinen Gästehäusern wird das besser gemacht. Das Wohl des Kunden zählt hier noch mehr als der Platz im Ranking für Nachhaltigkeit. Gesunder Menschenverstand ist eben mehr wert. Wenn wir das alles nur vorher gewusst hätten. Ja, was eigentlich dann? Natürlich wären wir trotzdem gefahren, nur halt dann etwas besser vorbereitet auf das, was uns erwartet. Denn eines ist klar: Namibia und Botswana sind immer eine Reise wert. (Autorin: Marion)

Highlight der Woche:

Flussfahrt auf dem Chobe (trotz zwischenzeitlicher Lebensgefahr)

Bild der Woche:

Verstecktes Krokodil am Flussufer

4 Kommentare zu „Woche 7: Namibia-Botswana-Tour 2023“

  1. Hallo ihr Krauttrotter,
    während es hier gemächlich vor sich hinschneit, der erste Wintereinbruch wie jedes Jahr den Verkehr lahmlegt und das Thermometer sich bei 0 Grad tagsüber einpendelt, schwitzt ihr nachts bei 40 Grad… hier gerade nicht wirklich vorstellbar. Genau dieser Gegensatz macht eure Geschichten so spannend. Der Tropensturm auf dem Chobe war ja eine richtige existenzielle Bedrohung, auch die Begegnung mit dem Jungbullen am Zufahrtsweg🫣…Eure Tagesberichte sind absolut lesenswert und super geschrieben, wir sind jede Woche dabei.
    Viele Grüße aus der winterlichen Heimat🥶
    Christina und Holger

  2. Hallo ihr beiden,
    gerne schicken wir euch weiterhin mit unseren Berichten ein bisschen Wärme ins winterliche Westfalen. Genauso wenig wie die hiesige Hitze für euch ist für uns das winterliche Wetter im 9.000 km entfernten Deutschland vorstellbar. Aber das deutsche Schmuddelwetter wird uns ja früh genug wieder einholen 🙁 Heute ist unsere letzte Selbstfahrerwoche angebrochen. Ab nächsten Mittwoch nehmen wir dann an einer geführten Safari durch die Naturreservate im Norden Botswanas teil.
    Kommt weiterhin gut durch die Vorweihnachtszeit und bleibt gesund und munter.

    Liebe Grüße
    Marion und Burak 🙂

  3. Hallo ihr Zwei,
    euer Erlebnis auf dem Chobe hat mir „Gänsehaut“ beschert. Bei meiner Bootstour auf dem Chobe hat es nur heftig geregnet.
    Mit euren Berichten kann ich mich in Gedanken nach Afrika beamen und geniesse eure Beschreibungen. Euch weiterhin gute Fahrt mit ganz vielen Erlebnissen und Begegnungen- egal ob menschlich oder tierisch. Mit einen Hauch von Winterkälte grüsst Carmen

  4. Liebe Carmen,
    glaub uns, diese Gänsehaut haben wir selber noch, wenn wir an den Tag auf dem Chobe zurückdenken. Afrika ist wirklich wundervoll, aber alles andere als ein Zuckerschlecken. Mittlerweile sind wir mit einer kleinen Reisegruppe in der Zentralkalahari unterwegs und bekommen wieder ganz neue Eindrücke von Botswana.

    Viele liebe Grüße aus der Wüste in die Winterkälte
    Marion und Burak

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