Woche 9: Namibia-Botswana-Tour 2023

Maun – Deception Valley Conservancy – Central Kalahari Game Reserve – Makgadikgadi Pans

Highlight / Bild der Woche

Autowaschstraße auf Botswanisch
Mittwoch, 06.12.2023: Car wash, yeah!

Heute geben wir unseren Ford Ranger ab, der uns 8 Wochen lang zuverlässig kreuz und quer durch Namibia und Botswana gefahren hat. Es waren nur wenige gute, viele schlechte und sogar einige eigentlich unbefahrbare Pisten dabei. Unser Adrenalinspiegel ist dadurch manches Mal nach oben geschnellt, aber das schweißt ja bekanntlich zusammen. Jetzt, wo der Abschied in der Luft liegt, kommt fast so etwas wie Wehmut auf. So, als müsste man sich von einem liebgewonnenen Freund trennen. „Was für ein Quatsch“, sage ich mir und schlucke den Kloß im Hals herunter. „Wir sollten froh sein, dass wir die Kiste heute ohne Panne loswerden.“ Aber einen letzten Liebesdienst möchten wir unserem treuen Gefährten noch erweisen. Eine ausgiebige Autowäsche soll es sein, denn schlammverkrustet möchten wir ihn nicht zurücklassen. Also suchen wir morgens um 9:30 Uhr eine sogenannte Car-Wash-Station auf. Ich rede hier nicht von elektronisch gesteuerten Auto-Waschprogrammen oder Boxen, wo Autobesitzer bei Schaumwäsche und Hochdruckreiniger selber Hand anlegen können. Nein, hier wird jedes Auto noch mit Hingabe per Handwäsche gereinigt. Wir suchen also einen der vielen Bretterverschläge entlang der Hauptstraße auf, wo junge Männer ihre Dienste als Autowäscher anbieten. „Einmal bitte Komplettreinigung innen und außen. Dauert wie lang und macht wieviel?“ Der junge Mann fixiert den Ford und überlegt kurz: „1 Stunde, 90 Pula (6,16 €).“ Wir schlagen ein und sofort stellt uns unser Autowäscher zwei klapprige Stühle bereit. Die folgenden 75 Minuten sitzen wir genauso wie viele Botswaner am Straßenrand und begucken abwechselnd den fleißigen jungen Mann und den fließenden Verkehr. Das Ganze hat was Meditatives und so langsam verstehe ich die Einheimischen. Am Ende ist unser Auto blitzeblank. Selbst die Reifen glänzen wieder lackschwarz und das Armaturenbrett duftet nach frisch gepudertem Babypopo. So viel Liebe zum Auto kannte ich bisher eigentlich nur aus Deutschland. (Autorin: Marion)

Donnerstag, 07.12.2023: Auf dem Weg zur Kalahari

Jetzt geht die Safari endlich los. Pünktlich um 7.30 Uhr stehen wir aufgeregt mitsamt unserem Gepäck auf dem Parkplatz vor dem Hotel, wo uns Paul schon erwartet. Er wird unser Guide und Fahrer für die nächsten 2,5 Wochen sein. Mit uns sind ein junger Schweizer und eine Deutsche. Kaum sitzen wir im geräumigen offenen Safariwagen, nehmen wir auch schon Kurs auf die Kalahari. Nach kurzer Zeit endet die Teerstraße. Schon bald kommen wir auf eine enge, streckenweise tiefe Sandpiste, die wie mit dem Lineal gezogen nach Süden führt. Nach fast 5 Stunden holpriger Fahrt erreichen wir das Deception Valley, ein Wildreservat am Rande der Kalahari, wo uns schon zwei weitere Gäste aus Holland erwarten, die auf eigene Faust angereist sind. Mit 6 Teilnehmern ist unsere Reisegruppe jetzt komplett. Hier mitten in der Wildnis schlagen wir unser Zeltlager auf. Während wir die Zelte aufbauen, hebt unser Guide Paul in Windeseile mit einer Schaufel eine knietiefe Grube aus. Als er dann noch rundherum eine Zeltplane und direkt über dem Loch eine Klobrille mit Stuhlbeinen aufstellt, wird mir klar: Das wird unsere Buschtoilette. Nach getaner Arbeit brechen wir am Nachmittag zu unserer ersten Pirschfahrt durch die Buschsavanne auf. Neben vielen Antilopen sehen wir auch Geier, Adler, Schakale und am Ende sogar ein Giraffenpärchen, das wir bei der Brunft stören (s. Foto). Als wir nach 3 Stunden im Dunkeln ins Camp zurückkommen, duftet es verlockend. Unser Koch Chicco hat den Tisch bereits gedeckt und das Abendessen zubereitet: Es gibt Spaghetti Bolognese im Busch. Kulturelle Aneignung, aber trotzdem lecker. (Autor: Burak)

Waddehaddedudeda?
Angriff oder Rückzug?
Freitag, 08.12.2023: Gereizte Stimmung im Busch

Morgens um 5 Uhr schrillt unser Handy-Wecker. Durch das Moskitonetz unseres Zeltes sehe ich die flackernde Feuerstelle mit einem großen Wasserkessel drauf. „Ich brauche dringend einen Kaffee, um aus den Puschen zu kommen“, denke ich bei mir, denn die letzte Nacht war kurz. Wir hatten zwar keinen Löwenbesuch im Camp, aber die Naturgeräusche – samt lautem Schnarchen aus einem der Zelte – haben mich lange nicht einschlafen lassen. Also schnell angezogen, Katzenwäsche gemacht und dann ab an den Frühstückstisch. Heute Vormittag steht, wie könnte es auch anders sein, eine Pirschfahrt auf dem Programm. Um 6:30 Uhr fahren wir bei bewölktem Himmel los. Ich bin dankbar für den kühlen Fahrtwind, der mich umweht. Die Hitze wird uns spätestens mittags wieder einholen. Die nächsten 4,5 Stunden fahren wir gefühlt jede Piste im privaten Wildreservat ab. Mal ganz langsam spähend, um einen Kudu nicht zu erschrecken, dann wiederum flott einer Herde prächtiger Elen-Antilopen hinterherjagend. Natürlich nur mit der Kamera versteht sich. Ganz plötzlich stoßen wir unverhofft auf ein Löwenrudel. Keine 20 Meter vor uns liegen 5 Löwen im Jagdmodus wie aufgereiht nebeneinander im Gras und warten auf ein argloses Beutetier. Wir fotografieren dieses Traummotiv ausgiebig. Plötzlich kommt Bewegung in die Löwen und scheinbar unauffällig bilden sie einen Halbkreis um unseren Safariwagen. Wollen die uns etwa einkesseln? Uns wird mulmig, aber Paul gibt Gott sei Dank Gas und wir fahren weiter. Zum Mittagessen sind wir im Camp zurück und halten danach unsere Siesta. Am späten Nachmittag sind wir wieder im Safariwagen unterwegs, als plötzlich ein aggressiver Elefantenbulle laut trompetend auf uns zuprescht. Paul lässt geistesgegenwärtig den Motor aufheulen, um den Elefanten abzuschrecken. Das gelingt ihm zum Glück und mit einem großen Schrecken, aber unbehelligt, erreichen wir unsere Campsite. Mit einem Amarula stoßen wir nach dem Abendessen auf diesen aufregenden Tag an. (Autorin: Marion)

Samstag, 09.12.2023: Wieviel Buschcamp erträgt ein Mensch?

„Warum tue ich mir das an?“ ist mein erster Gedanke, als der Wecker wieder Punkt 5 Uhr unbarmherzig losgeht. Ich habe gefühlte 3 Stunden Schlafdefizit. In Wirklichkeit sind es wahrscheinlich noch mehr. Wie sollte es auch anders sein? Morgens und abends stundenlang auf Pirschfahrt und zwischendurch mittags eine Siesta bei brütender Hitze. Das Zelt ist eher eine Sauna als ein ernst zu nehmender Rückzugsort. Ich bin schon so weit, dass ich mich nach den Tagen zurücksehne, an denen mich zuhause aus dem Radiowecker die krächzende Stimme Rod Stewarts mit einem langgezogenen „Baaaaaaby Jane“ förmlich aus dem Bett trat. Das war wenigstens erst um 6.30 Uhr. Anstatt dessen sitzen wir um die Zeit bereits abfahrbereit in unserem Safariwagen, nachdem wir in Windeseile die Zelte abgebaut, alle Sachen gepackt und verladen und unser Blitzfrühstück zu uns genommen haben. Und das soll jetzt bis zum Ende der Safari fast jeden Tag so gehen? Ich weiß nicht so recht. Auf der holprigen 5-stündigen Fahrt über enge Sandpisten versuchen wir in sitzender Position ein wenig Schlaf aufzuholen. Wie zu erwarten mit überschaubarem Erfolg. Über das östlich gelegene Matswere Gate erreichen wir das Central Kalahari Game Reserve, ein großes Wildreservat im Herzen Botswanas. Wer bei dem Wort Kalahari jetzt gleich an eine Wüste denkt, liegt eindeutig daneben. Wir jedenfalls fahren, nachdem wir das Gate passiert haben, durch eine weitläufige dichte Baum- und Grassavanne, bis wir nach etwa 2 Stunden unsere Zelte auf einer einsamen schattigen Campsite mitten in der Kalahari aufschlagen. Am Nachmittag ziehen dunkle Wolken auf, die Wind und Regen bringen. Die Luft ist jetzt viel angenehmer, so dass wir unsere Pirschfahrt genießen können. Wir sehen eine Löffelhundmutter mit ihren kleinen Welpen, die sich vor uns wegducken, und einen Honigdachs, der unermüdlich versucht, eine Schildkröte zu knacken. Als wir am Abend in unser Camp zurückfahren, hängen am Himmel tiefe schwarze Gewitterwolken, aus denen verzweigte Blitze hervorschnellen. In der Nacht folgt der Regen, der stundenlang auf unser Zelt prasselt. (Autor: Burak)

Unser Buschcamp
Getarnter Leopard
Sonntag, 10.12.2023: Leben und Sterben in der Kalahari

Eine feuchte Kälte empfängt mich heute Morgen beim Aufwachen. Ich taste im noch dunklen Zelt nach meinen Sachen. Ob Schlafsack, Jacke oder T-Shirt, alles ist klamm. Missmütig und stumm sitzen Burak und ich am Frühstückstisch bei heißem Kaffee und Toast mit Erdnussbutter. Danach sieht die Welt schon wieder freundlicher aus und wir scherzen mit den anderen aus der Gruppe über den „Wintereinbruch“. Das Thermometer ist nämlich über Nacht um 20 Grad abgestürzt und wir bibbern vor Kälte trotz dicker Fleecejacke. Kaum haben wir uns zur Morgen-Safari auf den Weg gemacht, entdecken wir in einem Baum das letzte Puzzleteil unserer Big Five: Ein Leopardenweibchen liegt ausgestreckt auf einem Ast. Die schöne Großkatze und ich fixieren einander – Gänsehaut pur! Dann springt sie elegant vom Baum und geht im tiefen Gras ihres Weges. Kaum eine halbe Stunde später platzen wir in folgende Jagdszene: Zwei Löwenweibchen mit 4 Jungen umkreisen lauernd irgendetwas, das in der Grassavanne liegt. Wir fahren näher ran und erkennen eine ausgewachsene Oryx-Antilope, schwer verletzt an Kehle und Hinterlauf. Sie liegt da unter Schock und ist unfähig zu flüchten. Als hätte sie sich ihrem Schicksal ergeben, wartet sie darauf zerfleischt zu werden. Ganz schön makaber, finde ich. Die Raubtiere zögern aber noch mit dem finalen Angriff und ich erkenne bei einer Löwin eine Verletzung an der Brust – wohl durch die Hörner des Oryx. Plötzlich zieht sich die Löwengruppe wieder zurück, die Zeit scheint noch nicht reif zu sein. Wir setzen unsere Safari fort und werden wieder vom peitschenden Regen eingeholt. Die Kapuze meiner Regenjacke tief ins Gesicht gezogen überlege ich, ob es in diesem Urlaub auch mal einen Tag ohne Wetterkapriolen gibt. Das heißt ohne Sturm, Platzregen, sengende Hitze oder extreme Temperaturstürze. Doch plötzlich bin ich wieder hellwach. Ein männlicher Löwe liegt entspannt neben der Piste. Wir können uns kaum satt sehen an seiner Pracht, während er uns anblinzelt und sich nicht weiter stören lässt. Einen letzten Schlenker machen wir gegen Ende der Safari noch einmal zu der Löwengruppe. Das Oryx ist mittlerweile tot und liegt ausgeweidet da, umringt von allen 6 Löwen. Die Jungen klettern auf dem Kadaver umher und die Löwinnen lecken einander das Fell mit blutverschmierten Mäulern. (Autorin: Marion)

Montag, 11.12.2023: Unerwartet erholt

Heute Morgen ist alles anders. Es klingelt kein Wecker, als wir von selbst um 6.30 Uhr aufwachen. Die Luft ist angenehm frisch, während sich am Himmel erste Wolkenlücken zeigen. Wir stehen ohne Zeitdruck auf, begeben uns zum Frühstückstisch und lassen uns richtig Zeit bei Kaffee, Müsli und Marmeladentoast. Ganz entspannt verbringen wir den Vormittag zusammen mit den anderen aus der Gruppe unter dem schattigen Zeltdach. Die einen lesen, die anderen unterhalten sich oder daddeln am Handy. Währenddessen werden die Wolkenlücken immer größer und die Sonne treibt das Thermometer schon am Vormittag über 30 °C. Aber Moment mal! Fehlt da nicht was? Genau, der allmorgendliche Game Drive. Der fiel nämlich heute aus, da unser Safariwagen eine Panne hat. Gestern bei der Rückkehr von der Abendpirsch bahnte es sich schon mit einem seltsamen Klappern an. Nach Ankunft im Camp wurde es dann Gewissheit: Die Radaufhängung hinten rechts ist gebrochen. Der Veranstalter reagiert prompt und schickt gleich in der Frühe aus Maun ein Hilfsteam mit Werkzeug los, das gegen Mittag auf unserem Camp ankommt. Nach einer Stunde ist das Auto repariert, so dass wir am Nachmittag zur Pirschfahrt aufbrechen. Die Sonne brennt und es ist wieder über 40 °C, also locker 20 °C mehr als gestern. Wahnsinn dieses Wetter. Wir fahren stundenlang, aber sehen kaum Tiere, da sie vor der Hitze geflüchtet sind. Dafür aber entschädigt die wunderschöne endlos weite Gras- und Baumsavanne und der phänomenale Sonnenuntergang bei klarster Luft, der den Himmel lange feuerrot färbt. Als wir nach der Dämmerung wieder auf dem Camp eintrudeln, hat unser Koch Chicco schon den Tisch gedeckt. Es gibt Honig-Huhn, Auberginen in pikanter Tomatensauce und kleine Kürbishälften zum Auslöffeln. Buschdinner deluxe. (Autor: Burak)

Auto gut, alles gut
Nilpferde im Boteti River
Dienstag, 12.12.2023: Abschied von der Kalahari

Ungewohnt munter kriechen wir morgens um 5 Uhr aus unserem Zelt. Ist es schon die Gewohnheit, immer früh aufzustehen? Oder treibt uns die Vorfreude auf die bevorstehende Lodgeübernachtung so an? Denn heute verlassen wir die Zentralkalahari und das einsame Buschcamp. Unser Fazit: Mehr Afrika geht nicht! Vor uns liegt eine 150 km lange Fahrt zum Makgadigkadi-Nationalpark. Die ersten 80 km sind der blanke Horror und werden von Tiefsand und fürchterlichen Schlaglochpisten dominiert. Der Rest ist dann asphaltierte Schnellstraße, sodass wir nach 4,5 Stunden endlich das Boteti River Camp erreichen. Unsere Gruppe ist in kleinen Häuschen untergebracht mit Außendusche und – ganz wichtig – Klimaanlage. Um 16 Uhr brechen wir zur unvermeidlichen Sundowner-Pirschfahrt auf und treffen kurz darauf einen alten Bekannten wieder, nämlich den Boteti River. Vorletzte Woche hatten wir in seinem trockenen Flussbett einige Kilometer weiter nördlich große Elefanten- und Zebraherden gesehen. Heute überqueren wir den Boteti und fahren an seinem Ufer entlang. Ich erschrecke über einige tote Tiere, an denen wir vorbeikommen. Von einem großen Elefanten ist praktisch nur noch die mumifizierte Haut übrig geblieben. Die Überreste liegen wenige Meter von einem Wasserloch entfernt, eine gespenstische Szenerie. Paul erklärt uns, dass der Milzbrand viele Opfer unter den Wildtieren fordert. Wir fahren weiter und treffen auf ein Wasserloch mit einer Hippo-Familie. Ein Muttertier mit Nachwuchs grast in der Nähe. Als die Tiere uns bemerken, verschwinden sie wieder im Wasser. Zum Sonnenuntergang halten wir an einem schönen Aussichtspunkt an und stoßen noch einmal auf die vergangene Urlaubswoche an. (Autorin: Marion)

Highlight der Woche:

3 Tage Buschcamp im Central Kalahari Game Reserve

Bild der Woche:

Löwe am Wegesrand

2 Kommentare zu „Woche 9: Namibia-Botswana-Tour 2023“

  1. Remco Makkenze-Hogenbirk

    Lovely to read your Reisebericht and re-live the beautiful Kalahari once more. I hope you have a beautiful trip. I’ll be following you from the Netherlands. Be well!

  2. Hi Remco,
    please excuse our late response, but we haven’t had any internet access for a week now. Thank you for your comment. It‘s a pleasure to read that we could help you to relive our beautiful Kalahari trip. Up to now, the rest of the trip through Moremi and Chobe National Park has been amazing as well, although we really miss you and Frank and the funny days we spent together.

    Be well and all the best to you,
    Marion and Burak 🙂

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