Ich glaube es erst, wenn wir da sind
Heute geht es endlich los. Ich habe es schwarz auf weiß. Hier guck! Flugnummer LH4298, Abflug um 21:55 Uhr von Frankfurt, planmäßige Ankunft morgen um 08:00 Uhr Ortszeit am Hosea Kutako International Airport in Namibias Hauptstadt Windhoek. So zumindest die bloßen Fakten. Ehrlich? Ich hätte nicht mehr gedacht, dass es mit Namibia nochmal klappen würde. Nicht, weil ich grundpessimistisch bin, sondern weil das Ganze eine Vorgeschichte hat. Und die beginnt bereits Mitte 2020.
Ein Virus namens … na Sie wissen schon
Da hockten wir also im Sommer 2020 in unserem Wohnzimmer. Deutschland im Lockdown und wir mittendrin. Einkaufen gehen? Nur mit Maske. Zur Arbeit fahren? Nur mit Sondergenehmigung UND Maske. Kurzum, dieses Virus hatte Deutschland, ach was rede ich, die ganze Welt voll im Griff. Hierzulande hatte es die ersten Corona-Fälle ausgerechnet in dem Kreis gegeben, in dem ich aufgewachsen war: Heinsberg, tief im Westen, am Rande der Republik. Quasi der Vorhof zur Hölle … äh ich meine natürlich zu Holland. Freunde von mir waren in Berlin wegen ihres HS-Kennzeichens angepöbelt worden. Was sie denn dort zu suchen hätten, diese Virusschleudern. Auch wenn ich schon vor mehr als 30 Jahren weggezogen war, beschlich mich hin und wieder ein bedrückendes Gefühl von Erbschuld.
Flucht nach vorne
Als Heinsberg dann im Verlauf der Pandemie so langsam aus dem Fokus der Berichterstattung geriet, legte sich das Gefühl wieder. Jetzt tat sich aber ein neuer Abgrund vor mir auf. Die eigenen vier Wände wurden immer enger und rückten bedrohlich näher. Manchmal schienen sie einen gar zu erdrücken. Kein Treffen mit Freunden, keine Restaurantbesuche, kultureller Stillstand. Das Kind bekam Konturen und hatte einen Namen: Lagerkoller. Ich wollte raus. Nein nicht mit Maske vor die Haustür, sondern mal wieder so richtig verreisen. Am liebsten weit weg von der Corona-Schwermut, die mich umgab. Also nahmen Marion und ich unseren ganzen Übermut zusammen und begannen das Internet nach noch buchbaren Reisen zu scannen. Und wurden zu unserer Überraschung rasch fündig: Knapp 3 Wochen Rundreise durch Namibia im Februar 2021 mit allen Höhepunkten, die das Touristenherz begehrt.
Wenn man doch nur dürfte, wie man wollte, dann könnte …
„Na ja, wenn die doch die Reise ganz offiziell anbieten, und ich meine, bis Februar 2021 ist vielleicht Corona ja auch dann schon wieder …“ Geblendet von solchen oder ähnlichen Gedanken des Leichtsinns folgte das, was folgen musste: Wir buchten mit fast schelmischer Vorfreude die Namibia-Reise und waren uns sicher, dem Schicksal ein Schnippchen geschlagen zu haben. Wir hatten quasi mit einem Handstreich unsere persönliche Corona-Pandemie zu den Akten gelegt. Leider nicht lange. Es kam, wie es kommen musste. Natürlich ging kein Flieger und natürlich wurde die Reise abgesagt. Das Virus hatte uns um unsere erste Namibia-Reise gebracht. Aber die Sehnsucht nach dem südlichen Afrika war geweckt.
Nach der Buchung ist vor der Buchung
So sehr geweckt, dass wir nicht locker ließen. Wir stöberten im Internet, verbrachten manchmal ganze Feierabende damit, Webseiten von Reiseveranstaltern systematisch zu durchforsten. Wir schrieben Reisetermine, Preise und Routen in Listen auf und verglichen. An einem dieser Abende, als jeder von uns mitsamt Laptop in seine Couchecke versunken war, sagte Marion fast schon beiläufig: „Hier schau mal: 19 Tage Namibia als Selbstfahrerreise im Mietwagen mit Sossusvlei, Swakopmund und Etosha-Nationalpark, Übernachtung in schönen Lodges mit Halbpension, 2.300 € ohne Flug.“ Selbstfahrerreise! Mensch das war’s. Keine nervigen Mitreisenden, kein Gruppenkoller nach einer Woche, keine scheinfreiwilligen Trinkgeldvorgaben á la „so etwa 8 Dollar pro Tag für den Guide und 5 Dollar für den Fahrer – mindestens versteht sich“.
Ein Multikulti-Virus
Gesagt gebucht – Namibia als Selbstfahrer im August 2021. Frei nach dem Motto: Wo ein Wille, da muss doch verdammt nochmal ein Weg sein. Und was war mit Corona? Na ja, es beherrschte immer noch die Schlagzeilen, aber man hatte sich mit diesem lästigen China-Import irgendwie arrangiert. Außerdem waren wir als medizinisches Personal schon frühzeitig geimpft. Und es gab auch schon die ersten Lichtblicke. Seit März hatten die Friseure wieder auf. Gut, für mich nicht wirklich relevant mit meinem spärlichen Restkopfhaar, aber in solchen Zeiten muss man sich auch an kleinen Dingen erfreuen dürfen. Die Freude währte leider nicht lange. Dieses fiese Virus war wandlungsfähig und kam immer wieder in neuem Gewand: Zuerst als britische, dann als indische Variante, und schwupp hatte uns eine neue Infektionswelle voll erfasst.
Maskenpflichtophobie
Diese Welle erfasste nicht nur Deutschland, sondern leider auch das bisher von der Pandemie relativ verschont gebliebene Namibia, und das mit ziemlicher Wucht. Wir verfolgten aufmerksam die Nachrichten aus dem südlichen Afrika und die verhießen nichts Gutes. Ständig steigende Fallzahlen. Lockdown in Windhoek und anderen Städten des Landes, Reiseverbote zwischen verschiedenen namibischen Regionen, Maskenpflicht allenthalben. Wollten wir so Urlaub machen? Kommen wir überhaupt rein ins Land? Und wenn ja, auch wieder raus? Müssen wir vielleicht die ganz Route spontan umstricken? Nein, eine Maske bei 30° C kommt überhaupt nicht infrage! Mit jedem Tag, den unsere Reise näher rückte, wurden wir verunsicherter. Vielleicht war alles ein wenig übertrieben. Aber Corona hatte uns wohl mürbe gemacht. Ende vom Lied: Wir zogen die Reißleine und stornierten die Reise noch rechtzeitig.
Aller guten Dinge vielleicht doch nicht drei
Nach der Stornierung kam der Blues und dann war erstmal reisetechnisch Ruhe im Karton. Über ein Jahr lang. Im Spätsommer 2022 – Corona fühlte sich mittlerweile wie ein alter Freund an, dem man nicht mehr viel zu sagen hatte – stolperten wir im Internet über eine interessant klingende Gruppenreise durch Namibia im Februar 2023. Die Mindestteilnehmerzahl war erreicht, die Reise somit garantiert. Die Gruppe mit maximal 12 Personen nicht allzu groß. Dürstend nach Reisen und euphorisiert von Fernweh buchten wir kurzerhand, ohne das Kleingedruckte wirklich gelesen zu haben. Das taten wir dann dummerweise erst ein paar Wochen später. Hier ein Dialogauszug: „Hör mal, wusstest du, dass wir da mit 12 Leuten in einem staubigen Auto sitzen werden wie in einer Sardinenbüchse?“ – „Wie, ich dachte zwei Autos.“ – „Nee, und das ist nur so ne Art Van ohne aufstellbares Dach.“ – „Wie sollen wir denn dann die ganzen Tiere fotografieren?“ – „Ja eben. Was meinst du?“ – „Umbuchen!“
Zuerst Reykjavik, dann Windhoek
Also machten wir stattdessen eine schöne Reise durchs winterliche Island. Zwar auch mit Gruppe und in einem kleinen Van. Es war aber weder heiß noch stickig im Fahrzeug und viele Tiere standen da auch nicht am Wegesrand, die man hätte fotografieren wollen. Kaum zurück vom Polarkreis schmiedeten wir Pläne für den ganz großen Wurf. Da wir wussten, dass wir ab August bis auf weiteres nicht mehr arbeiten würden, wollten wir gleich mehrere Wochen nach Namibia. Diesmal auf eigene Faust, nach unserem Rhythmus und mit völlig individueller Reiseroute. Und wenn man schon mal da ist, warum nicht gleich auch Botswana mitnehmen? Am Ende sind es jetzt sage und schreibe 10,5 Wochen geworden, vom 11.10. bis zum 24.12.2023! Im Camper mit Dachzelt, angefangen von Windhoek kreuz und quer durch Namibia, dann durch Botswana und mit Abschluss an den Victoria-Fällen in Simbabwe. Moment mal. 11.10.? War da nicht was? Ist doch heute, oder? Ja, richtig, daher stehen wir jetzt auch hier mit gepackten Koffern und gleich geht es los zum Frankfurter Flughafen.
Mittwoch ist KrautTrotter-Tag
Die Vorfreude und Spannung sind echt groß. Aber ehrlich gesagt ist uns auch ein wenig mulmig zumute und wir haben ziemlich viel Respekt vor dieser Reise. Wir sind zwar schon viel rumgekommen in dieser Welt, aber so lange und auf diese Art sind wir noch nie unterwegs gewesen. Wird der Wagen durchhalten? Was ist, wenn wir irgendwo in der Wildnis eine Panne haben? Wie ist es mit der Kriminalität in Namibia und Botswana? Und überhaupt, was ist mit Malaria? Oder wird es vielleicht doch die geilste Reise unseres Lebens? Wenn du verfolgen möchtest, wie es uns bei unserem Afrika-Abenteuer ergeht, dann kannst du das gerne tun. Jeden Mittwoch kommt unser neuer Post mit den interessantesten Geschichten der Woche, hier im Blog und im Reiseticker. Das heißt natürlich nur, wenn wir Internetempfang haben 😉 Sonst wird es halt so schnell es geht nachgeliefert. Also dann, vielleicht bis nächste Woche Mittwoch, 18.10.2023, hier bei KrautTrotter!

Ihr habt einen sehr schönen Internet-Auftritt. Ich wünsche euch eine sichere und abenteuereiche Reise.Bleibt gesund und kommt ebenso wieder…
Lieber Willi,
danke für deine motivierenden Worte. Es freut uns sehr, dass dir unser Blog gefällt.
Viele Grüße,
Marion und Burak
Hallo ihr Krauttrotter,
eure Reiseblog-Seite ist der Hammer…wenn man das alles so liest, versteht man euer Fernweh und bekommt selbst auch welches…
Ich bin sehr gespannt auf eure Erlebnisse und Begegnungen (hoffentlich nur gute) in Afrika und wünsche euch, wie Willi, das Allerbeste.
Jetzt seid ihr erstmal angekommen und ich gespannt auf euren nächsten Eintrag… Macht es gut und bleibt gesund!!
Liebe Christina,
vielen Dank für deinen Kommentar. Schön, dass wir das Fernweh in dir wecken konnten.
Viele Grüße vom Fish River Canyon,
die KrautTrotter Marion und Burak
Hallo ihr Zwei, nach dem Grand Canyon ist der Fish River Canyon mindestens genauso sehenswert, habt ihr eine Tour nach unten gemacht? Namibia ist in allen „Ecken“ sehenswert und erlebnisreich . Euch ganz viel Spass eure Island-Mitreisende Carmen
Hallo Carmen,
dein Kommentar kommt genau zum richtigen Augenblick, denn wir fahren in wenigen Minuten los zum Aussichtspunkt des Fish River Canyon in der Nähe unserer Unterkunft. Danach geht es weiter zum Oranje-Fluss an der Grenze zu Südafrika.
Liebe Grüße,
Marion und Burak